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Mittwoch, 15. November 2017

Skitour Fanenstock (2236m)

Während ich mir vor einenhalb bis zwei Jahrzehnten kaum eine Schneeflocke entgehen liess, bin ich in den letzten Jahren jeweils spät und später in die Tourensaison eingestiegen. Nicht so in der Saison 2017/2018. Nachdem sich am ersten schönen Tag nach den ersten üppigen Schneefällen die Gelegenheit ergab, wollte ich diese auch packen...

Geglückter Startschuss in den Tourenwinter 2017/2018. Pics: Chris O.
Als Ziel wurde der Fanenstock in Elm auserkoren. Üblicherweise vermeide ich es ja soweit möglich, einen Gipfel oder eine Route mehrfach anzugehen, weil's schlicht und einfach viel zu viele neue und damit noch attraktivere Ziele gibt. Doch anfangs Saison, mit nur einem halben Tag, bei erheblich und ohne riesigen Aufwand zu treiben wird's natürlich langsam schwierig, noch Exklusivität zu erleben. Somit also zum dritten Mal in 25 Jahren die Normalroute rauf und runter auf den Fanenstock. Eigentlich ja auch nicht so schlimm und von 2x pro Woche sind wir ja noch weit entfernt ;-) 

Aufstieg über die flache Strasse durch den Gamperduner Wald. Hinten super der Piz Sardona.
Wir starteten um 13.45 Uhr in Elm. Es war zwar schön weiss, aber gerade üppig war die Schneelage auf den untersten Hängen nicht. Aufgrund vom Wechsel zwischen feuchtem Pflutter in den sonnigen Passagen und kaltem Powder im Schatten dauerte es wie befürchtet nicht lange, bis sich die ersten Stollen an den Fellen bildeten. Trotzdem gelang der Aufstieg zügig und problemlos, nur beim Mittler Stafel war eine kurze Pause nötig, um so gut wie's ging Fellpflege zu betreiben.

Fantastisches Ambiente beim Aufstieg - Sonne satt und unberührtes, weisses Gold :-)
Rundblick vom einsamen und windstillen Gipfel - immer wieder toll.
Bei sehr schönem Ambiente trudelten wir gerade noch unter der 2-Stunden-Marke, aber bereits wieder mit heftigen Stollen auf dem Gipfel ein, welcher sich einerseits verwaist und andererseits schön windstill präsentierte. Somit sprach nichts dagegen, die Stimmung etwas zu geniessen. Schliesslich stachen wir in den Gipfelhang, welcher sehr gute Verhältnisse präsentierte. Somit liessen wir es uns nicht nehmen, danach (etwas mühsam) auch noch zum Vorgipfel hinaufzutreten, um den folgenden Superhang optimal zu nutzen - welch ein Genuss!

Yours truly als kleiner Punkt in der weiten Winterlandschaft. Avis aux Amateurs: der Mixed-Kletterer, der zoomt erkennt am Piz Segnas ein paar ganz schöne Linien. Sowas ist ja immer verlockend, aber nein, ich werde nicht angreifen. Das ist mir dann doch etwas zu arg abgelegen und zudem in etwas heikler Umgebung. Die Kletterei sieht de visu aber hammermässig aus.
Unterhalb der Steilstufe auf 1900m musste man dann bereits die sonnenabgewandteren oder flacheren Passagen suchen, um noch auf schön fluffigen Schnee zu treffen - was aber bis zum Beginn der Waldstrasse auf 1500m gelang. Diese cruisten wir im Nu hinunter. Nun noch die letzten Hänge retour nach Elm - dank den glatten Wiesen ging's selbst auf den letzten Zentimetern Schnee ohne Probleme und Steinkontakt, auch wenn's nicht mehr der grosse Skigenuss war. Trotz der etwas grasigen Passage zum Schluss konnten wir einen höchst geglückten Auftakt in den Tourenwinter konstatieren. 

So haben wir's gern!

Montag, 13. November 2017

Fallenflue

Eigentlich ist die Fallenflue ein richtiger grosser Kletterspot in der Zentralschweiz, der auch erst in jüngerer Zeit eingerichtet wurde. Sie befindet sich an einem schönen, ruhigen Ort und man hat die Wahl zwischen sonnenxponierten, beinahe ganzjährig bekletterbaren Sektoren und einer kühleren NW-Seite. Noch dazu sind die Zustiege moderat und die Anfahrt aus den Ballungszentren kurz. Trotzdem, nicht nur ich hatte es bisher nie in dieses Gebiet geschafft, sondern es wird auch sonst scheinbar nicht allzu viel geklettert. Obwohl es beinahe 200 Routen gibt, sind auf 8a.nu nur gerade insgesamt 13 Einträge vorhanden. Das hätte mich wohl bereits stutzig machen sollen...

Nach einer kurzfristigen Absage ging sich am letzten schönen Herbsttag leider keine Saisonschluss-MSL mehr aus, somit wollte ich einmal die Fallenflue erkunden. Und ich muss sagen, dass ich schlussendlich etwas enttäuscht von dannen gezogen bin. Ich will das Gebiet damit nicht schlecht reden, aber einige Nachteile bringt es eben doch mit sich. Dass das Gelände vielfach unwegsam ist und man sich in vielen Sektoren auf einem schmalen bis schmalsten Band (teils auch hängend) inmitten einer steilen Wand befindet, ist ja aufgrund der Topos schon klar. Doch während man dies in anderen Gebieten (z.B. Acherli, Vättis, Lopper) toleriert und es der Frequenz dieser Gärten keinen Abbruch tut, so funktioniert es an der Fallenflue offenbar nicht. Es muss also auch noch andere Gründe geben. Dazu im nächsten Abschnitt...

Sicht zu Gross Mythen vom Fuss des Sektors Halo auf der NW-Seite der Fallenflue.
Geklettert bin ich schliesslich in den beiden relativ bequemen und gut zugänglichen Sektoren Silver auf der Südseite und Halo auf der NW-Seite, die Bequemlichkeit war also kein Faktor. Aber es haben mir eben auch der Fels, die Kletterei und die Bewertungen nicht wirklich zugesagt. Dabei schien der Sektor Silver auf dem Papier super - ein paar einfachere Aufwärmtouren, zwei 7a+ zum Onsighten, zwei 7c und eine 8a zum Projektieren. Aber denkste... die "Zak Zak" (7a+) konnte ich zwar gerade noch auf Anhieb ziehen, aber mit zack, zack war da nichts, "Ach & Krach" wäre in meinem Fall der passende Name gewesen. Auf höherem Niveau, in der "Silver" (7c) war ich dann chancenlos. Da wartet knüppelharte Gegendruck-Kletterei an runden Strukturen auf glattem Fels. Sowas taugt mir grundsätzlich sehr wenig, aber dennoch empfand ich die Bewertungen (ganz generell in diesem Sektor) als irgendwie demotivierend hart.

Somit wurde das Handtuch geworfen, in der Hoffnung im Sektor Halo im Schein der Nachmittagssonne noch ein paar zusätzliche Punkte zu sammeln. Doch auch da schienen mir die Bewertungen nicht freundlicher - bereits für den "Hexenpunsch" (7a+) musste ich hart kämpfen. In diesem Sektor schien mir der Fels etwas "Jura-like", d.h. bisschen staubig, da und dort ein bisschen splittrig. Nunja: niemand soll sich aufgrund meiner Eindrücke von einem Besuch abhalten lassen, vielleicht habe ich die wirklichen Perlen ja schlicht und einfach verpasst oder persönlich einen schwachen Tag eingezogen. Den Erstbegehern sei jedenfalls trotz meiner etwas zwiespältigen Eindrücke herzlich für ihre grosse Arbeit gedankt! Nähere Infos zum Gebiet findet man im SAC-Führer Zentralschweizer Voralpen Nordost oder im lokalen Gebietsführer vom Erschliesser Lucas Iten.

Mittwoch, 8. November 2017

Wendenstöcke - Torwächter (7a)

Schon seit Ewigkeiten war der Torwächter am Mähren weit oben auf meiner Liste, schlussendlich wurden ihm aber doch wieder andere Touren vorgezogen. Nachdem jedoch ein weiterer, goldener Herbst(kletter)tag angesagt war und mit Jonas so etwas wie mein Wenden-Standardpartner zur Verfügung stand, wollte ich zum 34. Abenteuer an ebendieser Bergkette antreten. Ambiance und geniale Kletterei sind an den Wendenstöcken ja sowieso garantiert, am Mähren lockte nun auch noch eine Prise Wildheit und Abenteuer, wird doch an diesem Berg nur selten geklettert. Doch so viel sei jetzt schon verraten, der Torwächter kann mit den bekannten und beliebten Pfaffenhuet-Routen in jeder Beziehung mithalten!

Ausblick vom Zustieg, genauer jener Stelle, wo man die Wegspur zum Pfaffenhuet verlässt und weglos diagonal zum SE-Pfeiler des Mähren aufsteigt. Einstieg und Ausstieg vom Torwächter sind auf dem Foto markiert, die Route verläuft mehr oder weniger im Profil des Pfeilers, weshalb sich die Linie auf diesem Foto nicht gut einzeichnen lässt.
Eigentlich weiss man so wenig über den Torwächter, dass nicht einmal klar ist, wie man am besten zu dessen Einstieg kommt. Eine Möglichkeit besteht darin, von der Mettlenalp die weglosen Grashänge zum Mähren-Pfeiler zu nehmen um dann diagonal nach rechts hinauf zu steigen, einen Sporn zu überqueren und dann quasi "von hinten" (d.h. Osten) in die Scharte hinter dem Turm zu steigen, wo die Route beginnt. Wir wollten die Alternative probieren, welche zwar hier und da Erwähnung findet, aber aufgrund der Absenz von konkreten Informationen vermutlich noch kaum je wirklich angegangen wurde - nämlich jene über den Pfaffenhuet-Zustieg mit einer Querung unter dessen Wänden nach links. Somit stiegen wir auf dem normalen Weg zur Steifrou hinauf, über die Gneisrippe, dann der Abzweiger mit Querung nach links (zuletzt über das mühsame Geröllfeld) um die Ecke aufs "Dach". Das Dach steigt man für etwa die Hälfte der Strecke hinauf, bis nacheinander die einzigen zwei kurzen Verflachungen folgen. Bei der oberen geht's diagonal nach links hinauf, in Richtung unterste Felsen des Pfaffenhuet. Dort angekommen, quert man horizontal nach links, traversiert den Graben zwischen Pfaffenhuet und Mähren, was an sich problemlos möglich ist - Vorsicht jedoch auf Steinschlag, bei Regen oder wenn es oben noch Schnee oder Tiere hat. Man kann diese Stelle jedoch sehr zügig hinter sich bringen. Jenseits des Grabens geht's dann wieder diagonal hinauf in die bereits gut sichtbare Scharte hinter dem Turm P.2426. Die letzten Meter sind steiler und etwas heikel, aber da hat's ein (altes) Fixseil. Wir machten uns im Schatten des vorgelagerten Turms bereit - nach 75 Minuten Zustieg ging's um 9.45 Uhr los mit der Klimmerei.

L1, 30m, 6c: Gut abgesicherte, schöne Kletterei für an die Wendenstöcke ungewöhnlich geschichtetem Fels, der zahlreiche Seit-/Untergriffe bietet. Es geht erst gerade hinauf, dann diagonal nach links, aufgrund der Felsstruktur sind die eigentlich zahlreichen Bolts nicht gut zu sehen. Etwas längere Exen zu verwenden schadet hier nicht, die Länge ist etwas für Seilzug anfällig.

Sehr schöne Kletterei bereits in L1 (6c), der Fels ist nach den ersten paar Metern fantastisch. Unten sieht man die Turmscharte mit dem Einstieg, welcher um diese Jahreszeit vormittags im Schatten liegt. Wer gemütlich vespern will, sollte das definitiv etwas unterhalb bereits erledigen.
L2, 30m, 6c+: Vom Stand noch moderat schwierig nach links weg und hinauf. Dort, wo es schwieriger wird scheint der Bolt noch immer 3m höher zu stecken - ahja, nein rechts schlecht sichtbar aussen auf der Rippe ist ja auch noch einer. Sonst wäre das schon eine richtig kühne und auch heikle Sache gewesen. Steilheit und geforderte Athletik nehmen zu und gipfeln in der pumpigen, absolut wendentypischen Schlusspassage. Die Sache ist dazu noch relativ unübersichtlich und nach der Crux werden die Griffe zwar beständig besser, es sind jedoch etwa 5m zum nächsten Bolt - hier muss man etwas Mut beweisen. Die letzten Meter zum Stand hinauf geben dann noch das Rätsel auf, welcher Weg zu wählen ist... die Lösung will ich jedoch nicht verraten.

Die absolut wendentypische Schlusspassage an sloprigen Löchern und ein paar Leisten am Ende von L2 (6c+). Die schwierigsten Moves sind gleich jene über den Haken drüber, danach heisst's in einfacher und griffiger werdendem Gelände dann aber ein paar Meter dranbleiben, bis wieder geklippt werden kann.
L3, 35m, 6c+: Diese Seillänge bietet nun ganz anders wie die ersten beiden eine heftige Plattenkletterei. In der Crux gleich zu Beginn gilt es, den Fuss etwa auf Höhe der Nasenspitze anzusetzen und sich dann an üblen Slopern aufzurichten. Danach noch einmal kräftig und gewagt von einem Seitgriff weit ziehen - diese Passage ist mit 2 nahe steckenden BH gut gesichert, dafür bezahlt man danach mit einem Runout in einfacher werdendem Gelände. Vorerst geht's besser dahin, erst zum Schluss der Länge verlangt eine knifflige Stelle (auch eher von plattiger Hinsteh-Natur) noch einmal sorgfältige Planung der Bewegungen.

Plattige Kletterei à la Wellhorn oder Rätikon wartet in L3 (6c+) - sehr schön!
L4, 30m, 3a: Überführungsstück zum nächsten Wandteil. Erst sehr schöner, gestufter Fels, dann ein einfaches Schutt-/Schrofenband. Der Stand unterhalb ist leider kaum geschützt, deshalb vorsichtig agieren!

Ausblick vom Stand nach L3 auf das folgende Programm. Die paar Meter im Vordergrund gehören zu L4 (3a), das nachfolgende Schuttband ist nicht einsehbar. Die Platte unter dem Bauch ist dann L5 (6b). Über den Superpanza der Wendenstöcke führt schliesslich die anhaltende Cruxlänge L6 (7a).
L5, 25m, 6b: Sehr schöne Steilplatte, welche unter den gewaltigen Bauch der Cruxlänge hinaufführt. Diese Seillänge war ursprünglich mit UIAA 7- (d.h. 6a+) bewertet und wurde im neusten Extrem West nach oben korrigiert. Ok, sie ist natürlich nicht ganz trivial, jedoch mit der ersten Länge der Excalibur sind die Schwierigkeiten dann doch auch wieder nicht zu vergleichen.

Yours truly folgt in L5 (6b). Rein aufgrund der Kompaktheit vom Fels könnte man hier durchaus vermuten, dass es sich um eine richtig schwierige Seillänge handelt. Die entspannte Körperhaltung und der auf einem sehr guten Tritt platzierte rechte Fuss verraten dann aber doch, dass wir es hier mit genussreichem Cruising-Gelände zu tun haben.
L6, 40m, 7a: Eine Monsterlänge! Durchwegs überhängend, lang, anhaltend und leider ist aufgrund der kurvigen Linie auch die Seilreibung ein zu berücksichtigender Faktor. Der Beginn bietet pumpige Kletterei an guten Griffen im 6c-Bereich. In der Mitte nimmt die Steilheit etwas ab, dafür verschwinden die Henkel auch komplett. Hier muss man in bereits angebretzeltem Zustand die Umstellung auf Tropflochkletterei der feinen Art meistern. Leider steckt hier ein Bolt weit links aussen im Schilf - jedoch nur, was den Seilverlauf betrifft, denn die einfachste Passage führt tatsächlich direkt an ihm vorbei. Hier wäre es dienlich, eine lange (min. 60cm, besser 120cm) Schlinge einzuhängen. Das ist allerdings leicht psycho, weil nachher gleich die schwierigsten Meter mit heiklen, feinen und trittarmen Moves folgen und zudem der nächste Bolt auch zäh zum Klippen ist (was für den übernächsten genauso gilt). Hier kam wieder einmal der Chäppi-Spezialtrick zum Einsatz. Sprich, beim Einrichten wurde an der letzten, brauchbaren Struktur geclifft, 50cm höher ein kleines Cliffloch gebohrt um dann an diesem hängend den Haken nochmals 50cm weiter oben zu setzen. Tja, so spart man Haken und macht gleichzeitig die Schwierigkeiten sehr zwingend! Am besten geht's definitiv, wenn man die Coolheit hat, über diese Stellen einfach drüberzusteigen und erst nach der Passage zu klippen. Die letzten Meter dann nochmals steil und griffig in eine Nische hinauf - ich bin total ausgepumpt und beim Seil einziehen habe ich tatsächlich Krampferscheinungen.

Jonas in der entscheidenden Passage der Monster-Cruxlänge (L6, 7a). Die Kletterei super, die Position atemberaubend!
L7, 30m, 6b+: Rein nominell sind die Hauptschwierigkeiten nun vorbei, wogegen ich bei meinem aktuellen Kräftepegel gar nichts einzuwenden habe. Allerdings scheint die Linie davon vorerst nicht allzu viel davon zu wissen, denn in athletisch-kräftiger Kletterei will man in äusserst luftiger Position weiterkommen. Mittig in dieser Seillänge wartet dann eine knifflige Crux in feiner, kleingriffiger Wandkletterei, gar nicht so einfach - erst recht nicht, wenn man den entscheidenden Kniff verpasst. Zu erwähnen auch noch: selbst wenn man diese Länge als mit BH und (teils gebohrten) Sanduhren als gut abgesichert bezeichnen darf, so habe ich hier doch mein ganzes Rack von Camalots 0.3-1 gelegt.

Steiler und luftiger Beginn von L7 (6b+), gesichert nur von einem Cam.
L8, 30m, 5c: Nun wird's noch einfacher, auch wenn's gar nicht so nach halbem Gehgelände aussieht - wer würde denn an den Wendenstöcken auch so etwas erwarten. Auf dieser Seillänge befinden sich nun neben 2 bereits gefädelten Sanduhren nur noch Möglichkeiten zur mobilen Absicherung. Es geht aber gut und die Kletterei ist denn auch tatsächlich nie verzweifelt schwierig. Einzig die Orientierung ist ein Faktor, aber die fixe Sanduhrschlinge weit oben weist den Weg (immer tendenziell leicht linkshaltend aufwärts).

L9, 30m, 6b+: Aus der Standnische nach links, über eine Mini-Version des Thank-God-Ledge. Beim Hinaufsteigen bald die Crux, eine bouldrige Stelle zum Überwinden eines kleinen Dächleins. Diese dünkte mich für den angegeben Grad und die Wendenstöcke für einmal ziemlich gutmütig. Steht man über dem Aufschwung, stellt sich die Frage wohin des Weges. Es bleibt nämlich ziemlich viel Steilplatte übrig und fixe Sicherungen kommen keine mehr. Ich ging etwas nach links, dort kommt dann ein perfektes Cam-Placement und die Moves lösen sich auch super auf. Dann steigt man auf ein Schuttband aus, wo sich an der nächsten Wand der Stand befindet.

Die oberen Seillängen sind von den Standplätzen aus nicht mehr ganz so fotogen. Das Panorama wie immer an den Wendenstöcken aber top. Grassen, Fünffingerstöck-Gruppe, Griessenhörner, Stucklistock und Fleckistock sowie das Sustenhorn sind hier sichtbar.
L10, 30m, 6a+: Vom Stand aus sieht's nach weiträumiger Absicherung und steiler, wenn auch nicht allzu schwieriger Kletterei aus. So entpuppt sich die Länge dann auch. Über die ersten 2 Haken ist die Absicherung tatsächlich knapp, v.a. da man ja auch direkt über dem Schuttband operiert. Man schalte den Spürhund ein, damit man die wenigen vorhandenen Placements für mobile Sicherungen nicht verpasst, sonst ist's definitiv 100% eine No-Fall-Zone. Die Crux dann eher am Schluss direkt am Haken, der Stand bzw. die Route ist links vom Dach bzw. grossen Überhang.

Am Anfang von L10 (6a+) muss man nochmals parat sein. Ist zwar "nur" 6a+, aber doch steil und mit nicht ganz kurzen Sicherungsabständen. Wer nicht halb im Free-Solo-Modus unterwegs sein will, muss auch zwingend die wenigen, aber durchaus vorhandenen Cam-Placements nutzen.
L11, 30m, 5c: Zum Abschluss noch ein schönes 2-Bolt-Rüteli in bzw. neben der Verschneidung. Gemütliche Sache, mobil ergänzbar und hübscher Fels bis fast zuoberst.

Um 15.30 Uhr sind wir nach 5:45 Stunden Kletterei am Top angekommen. Hochzufrieden, denn das war nun tatsächlich eine prima Wendenkletterei in einem hervorragenden Ambiente. Wir steigen noch die wenigen Meter im Schrofengelände zum Pfeilergipfel hinauf und vergrössern den Steinmann, der definitiv schon bessere Zeit gesehen hat. Oberhalb von unserem Pfeiler bleibt noch ziemlich viel Berg übrig - es scheint auf den ersten Blick so, als ob eine Fortsetzung des Aufstiegs möglich wäre. Dagegen sprechen hingegen die Steinböcke auf dem Ringband unter dem Gipfelaufschwung. Diese scheinen ob unserer Präsenz wenig erfreut und schmeissen in grossen Portionen Steine hinunter. Allerdings stürzen sie die Schluchten links und rechts, unsere Position ist absolut sicher. So sehen wir noch etwas den anderen Seilschaften am Pfaffenhuet und Excaliburpfeiler zu, in welche man aufgrund der etwas vorgelagerten Position guten Einblick hat.

Ausblick in die wilde Gipfelregion am Mähren. Man könnte meinen, dass man in einfachem Gelände zu Fuss weiter hinaufsteigen könnte. Ich glaube a), dass dies täuscht und b) wäre es aufgrund der Steine schmeissenden Steinböcke nicht sehr angenehm gewesen.
Die Abseilfahrt geht dann ziemlich zügig vonstatten. Erst lassen sich zwei Seillängen verbinden, danach werden 2 routenunabhängige Standplätze benutzt, bevor man wiederum mit dem Auslassen eines Standplatzes das untere Schuttband erreicht. Von dort kann man einen weiteren Stand überspringen und erreicht in 2 Manövern den Einstieg. Wir nehmen uns unterwegs noch etwas Zeit, um mit den mitgeführten ~20m Seil noch diverse Standplätze zu verbessern und fixe Sanduhrschlingen zu ersetzen. Zusammen mit dem, was vorher bereits in erneuertem Zustand war, darf man derzeit alle entscheidenden SU-Schlingen und zum Abseilen benutzten Standplätze als in gutem Zustand bezeichnen. Um das restliche Material auch noch vollständig aufzumöbeln, wäre der Verbau von weiteren ~20m Seil nötig. Vielleicht kann das ja die nächste Seilschaft erledigen. Für uns  verblieb der Abstieg. Den obersten, steilsten Teil von der Scharte seilten wir ab, danach stiegen wir vorsichtig retour zum Pfaffenhuet-Abstieg. Da merkte man wieder einmal, wie viel einfacher die Wenden-Zustieg durch die inzwischen präsenten (wenn auch immer noch spärlichen) Wegspuren geworden sind. Das Gelände im obersten Teil unserer Abstiegs war nämlich nicht steiler, fühlte sich jedoch gleich viel wilder an und erforderte eine defensive Herangehensweise - einmal auf der Pfaffenhuet-Spur etabliert, konnte man es danach dann rollen lassen. So gelangten wir dieses Mal mit den letzten Sonnenstrahlen zurück auf die Wendenalp und konnten zufrieden, um ein weiteres Wenden-Abenteuer bereichert, nach Hause cruisen.

Facts

Mähren - Torwächter 7a (6c obl.) - 11 SL, 340m - K. & R. Ochsner 1991 - ****;xxx
Material: 2x50m-Seile, 12 Express, Camalots 0.3-1, evtl. Messer, Draht & Seilstücke

Sehr schöne Kletterei über den SE-Pfeiler am Mähren. Die  Linie fernab von anderen Routen gibt der Sache etwas einzigartiges, qualitativ kann der Torwächter definitiv mit den Pfaffenhuet-Routen mithalten. Der Fels ist meist sehr schön, rau und mit guter Reibung. Unterwegs gibt's Abwechslung zwischen der wendentypischen Kletterei an runden Löchern, Leisten, Seitgriffen und plattigen Passaagen. Zur Höchstnote reicht's nicht ganz aufgrund der zwei (gut passierbaren) Schuttbänder, der im oberen Teil nicht mehr so anhaltenden Schwierigkeiten und kompakt-luftigen Linie. Die Absicherung darf man als gut bezeichnen, für eine Wendenroute erst recht. Wie üblich bei einer Route von Kaspar Ochsner kann man sich darauf verlassen, dass dort wo es heikel würde, dann schon wieder ein Bohrhaken kommt - in den schwierigen Seillängen sogar auch schon vorher. In den einfacheren, oberen Seillängen ist die BH-Dichte geringer. Hier kann man mit einem Set Camalots 0.3-1 aber immer wieder mobil ergänzen und erreicht auch da einen genügenden Standard. Erwähnt sei, dass die Absicherung zu einem Teil aus (gebohrten) Sanduhrschlingen besteht und man auch bei den Abseilstellen oft auf die Qualität des Textils angewiesen ist. Derzeit (Oktober 2017) war alles in gutem Zustand, aber natürlicherweise wird dies ohne weiteren Unterhalt nicht ewig so bleiben. Somit kann es sich durchaus empfehlen, sich für das Ersetzen gewisser Schlingen vorzubereiten. Das Topo zur Route findet man im Schweiz Extrem West (z.B. bei Bächli Bergsport erhältlich).