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Fels

Auf dieser Seite befindet sich eine Liste mit den von mir begangenen MSL-Routen. Um auch wirklich einen Mehrwert zu generieren, will ich aber nicht nur einfach mein Palmares auflisten. Das Ziel ist es, zu jedem Gebiet und zu jeder Tour eine Kurzbeschreibung zu geben, Schönheit und Absicherung zu bewerten, das benötigte Material aufzulisten und auf die von mir geschriebenen Berichte und Topos zu verlinken. In Klammern wird jeweils das Datum meiner letzten Begehung angegeben. Weil ich bisher Hunderte solcher Routen geklettert bin, wird die Vervollständigung dieser Seite eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen. Ein Anfang ist nun aber gemacht und die Liste wird beständig ausgebaut. Schau also wieder einmal rein!

Last Updates: 10.11.2017 (Mähren)
Last Updates: 10.11.2017 (Kirchlispitzen)

Rätikon

Das Rätikon ist ein Klettergebiet von Weltruhm. Bekannt ist es heute dank seinen Toprouten wie Silbergeier (8b+) und WoGü (8c), und auch durch frühere Meilensteine wie Amarcord (7b+), Hannibals Alptraum (7c), Via Acacia (7c+) und New Age (8a+). Die Kletterberge liegen zum grössten Teil auf der Landesgrenze zwischen Österreich und der Schweiz, geklettert wird zumeist an den südlich ausgerichteten Wänden und damit in der Schweiz, von wo aus (Talorte Schiers und Küblis) auch meist die Anreise erfolgt. Das Gebiet unterteilt sich grob in die Zone ums Grüscher Älpli, von wo aus an den Kirchlispitzen, dem Schweizereck, der Drusenfluh und an den Drusentürmen geklettert wird. Von Partnun aus geht man hingegen die Touren an der Sulzfluh, dem Gruobenflüeli und der Schijenflue an. Vielen Routen gemeinsam ist die hervorragende Felsqualität, das Kalkgestein ist meist bombenfest, sehr kompakt, von silbergrauer Farbe und hat durch seine Rauhheit eine erstklassige Reibung. Die meisten Routen bieten Steilplattenkletterei, griffig-athletische Überhänge sind eher selten anzutreffen.

Kirchlispitzen

Die Kirchlispitzen im Rätikon, gesehen aus der Route Anarchist am Schweizereck.

4. Kirchlispitze - Silbergeier 8b+ (7c obl.) - 6 SL, 200m - Beat Kammerlander et al. 1993 - *****;xxx
Material: min. 40m langes Seil zum Klettern plus Tagline zum Abseilen, 10 Express
Links: Blog, Routenverlauf, Topo

Der weltberühmte Extremklassiker mitten durch den Elefantenbauch an der 4. Kirchlispitze. Während die erste Seillänge noch durch überhängenden Fels führt, sind die folgenden kaum senkrecht. Dementsprechend technisch präsentiert sich die Kletterei. Man bedient sich oft an kleinsten, scharfen Strukturen oder dann an rätikontypischen Slopern und muss sich ständig darum kümmern, den Druck auf den Füssen in extrem trittarmem Gelände aufrecht zu erhalten. Das erfordert ein hohes Mass an Fusstechnik, Körperspannung, Koordination und auch Psyche. Die Hakenabstände sind eigentlich nie sonderlich weit - wäre die Route maximal im 6c/7a-Bereich, so würde man bei dieser Behakung von einer super Absicherung sprechen. Die hohen und anhaltenden Schwierigkeiten weit jenseits vom Komfortbereich sowie die schwer kontrollierbare Kletterei geben aber halt doch ein anderes Gefühl.


4. Kirchlispitze - Hannibals Alptraum 7c (7b obl.) - 5 SL, 170m - Scheel/Bösch 1986 - *****;xxx
Material: 2x50m-Seile, 12 Express, Steigklemme fürs Fixseil, Keile/Friends nicht nötig
Links: Blog, Fototopo, Topo

Ein Meisterwerk des alpinen Sportkletterns in der berühmten Südwand der vierten Kirchlispitze. Praktisch vom ersten bis zum letzten Meter wartet anspruchsvolle Kletterei, welche sich bis auf ein paar noch schwerere Einzelstellen fast durchgehen im achten UIAA-Schwierigkeitsgrad abspielt. Die Moves sind sehr technisch - die Wand ist meist knapp senkrecht und dabei arm an Griffen und Tritten. Der Fels ist aber zum grössten Teil vorzüglich, rau und mit hervorragender Reibung, so dass man sich auch an einem Hauch von nichts in die Höhe zaubern kann. Monieren kann man einzig, dass man sich teilweise an kleinsten Schüppchen bedient, welche hie und da etwas fragil wirken und teils auch schon weggebrochen sind. Trotzdem reicht's auf jeden Fall für 5 Schönheitssterne - Weltklasse! Von den Aspiranten werden gute Fusstechnik, Balance, Körpergefühl, Fingerkraft und trotzdem auch Athletik und Körperspannung gefordert. Und vor allem natürlich ein solides Nervenkostüm. Die Absicherung darf man zwar durchaus als "gut" bezeichnen (xxx), weite Abstände kommen kaum, und wenn dann wirklich nur auf den wenigen einfacheren Metern vor. Trotzdem ist die Kletterei halt aber einfach auch zwischen den Haken anhaltend schwer und zwingend zu meistern, noch dazu in einem mit reiner Kraft schwer kontrollierbaren Stil, oft hart am rauskippen. Keile und Friends kann man getrost zuhause lassen, auch wenn an 2-3 einfacheren Stellen noch die eine oder andere Sicherung platziert werden könnte - in der Regel ist da aber auch ein Bohrhaken in unmittelbarer Nähe, oder man würde nur riskieren, eine zum Klettern wichtige Schuppe beim Sturz abzusprengen.


4. Kirchlispitze - Prix Garantie 7c (6c+ obl.) - 7 SL, 220m - Dettling/Bechtel 2016 - ****;xxx
Material: 2x50m (oder etwas bequemer 2x60m)-Seil, 10 Express, Keile/Friends nicht nötig
Links: Blog, Topo

Die Discount-Linie am eindrücklichen Elefantenbauch der vierten Kirchlispitze, in unmittelbarer Nähe zu den Ultraklassikern Silbergeier (8b+) und Hannibals Alptraum (8a). Auch wenn das Eintrittsbillett hier nicht ganz so teuer wie in den Nachbarrouten ist, so bekommt man doch Qualität und Ambiente garantiert. Die Kletterei ist zwar nur auf wenigen Metern in L1 so verzweifelt schwer wie in den Nachbartouren, doch auch die restlichen Meter sind nicht zu unterschätzen, wollen ehrlich gemeistert sein und erfordern ein gewisses Kletterkönnen. Die Felsqualität ist über weite Strecken hervorragend, man klettert im typischen, silbergrauen Rätikon-Gestein mit seiner hervorragenden Reibung. Ein paar kurze, etwas splittrig anmutende Stellen gibt's wie in fast jeder Rätikon-Route aber durchaus und wer unbedingt irgendwo einen Griff ausreissen will, der dürfte seinen Wunsch auch erfüllen können. Die Route ist mit qualitativ hochwertigen A4-Inox-BH komplett, solide und durchdacht ausgerüstet, mobiles Sicherungsmaterial ist nicht mitzuführen und kaum einzusetzen. Es sei erwähnt, dass manche nicht ganz triviale Kletterstelle bei guter Absicherung durchaus obligatorisch zu meistern ist - es dürfte sich in jeder Hinsicht um die anspruchsvollste Route handeln, welche der Autor bisher eingerichtet hat. Stand: September 2016.

5. Kirchlispitze - Auenland 7a (6c+ obl.) - 10 SL, 375m - Reichle/Blasche 2001 & Hölzler/Spötzl 2013 - ***;xxx
Material: 12 Express, Camalots 0.3-0.75, 2x50m-Seile.
Links: Blog, Topo, Routenverlauf

Schöne und fordernde Route welche vielerorts über sehr guten Rätikonkalk mit hervorragender Reibung verläuft. Daneben müssen einige Grasbänder und weniger kompakte Zonen passiert werden, dort neigt der Fels dann auch manchmal zur Splittrigkeit. In Punkto Schönheit würde ich die Tour etwas hinter der Kamala und der Galadriel einordnen. Die Absicherung ist an den schweren Stellen mit Ausnahme des Starts von L6 gut ausgefallen, wenngleich zwingende Plattenpassagen hin und wieder vorkommen. Leider wurden im einfacheren und manchmal etwas brüchigen Gelände Haken gespart. Hier ist sicheres Klettern Pflicht, als total ungefährlich kann man die Route jedenfalls nicht bezeichnen. Auch wenn man nicht viel legen kann, so ist die Mitnahme von Camalots 0.3-0.75 für die ersten 4 SL sicher sinnvoll. Anmerkung: die Route wurde nach meiner Begehung an diversen Stellen mit zusätzlichen Bohrhaken entschärft, die von mir erwähnten, heikeln Stellen gibt's daher vermutlich nicht mehr. Stand: Juni 2014

5. Kirchlispitze - Galadriel 6c+ (6b+ obl.) - 11 SL, 420 m - Lietha et al. 1994 - ****;xxx/xxxx
Material: 12 Express, evtl. Camalots 0.3-0.75, 2x50m-Seile.
Links: BlogTopo, Topo, Routenverlauf

Diese Route hat sich zum grossen, viel begangenen Rätikon-Klassiker gemausert, da es sich lange Zeit um die einfachste der gut mit BH abgesicherten modernen Routen an den Kirchlispitzen gehandelt hat. Die Linie besticht durch meist plattige Kletterei in gutem bis sehr gutem Fels. Unten hat es noch einige Bänder und weniger schöne Zonen, oben folgt man dann in einigen Quergängen dem kompakten Fels. Die Route ist gut mit BH abgesichert, über weiteste Strecken kann man ein solides xxxx vergeben. Am anspruchsvollsten ist aber ausgerechnet die Cruxlänge (L8, 6c+) ausgefallen, wo man in anhaltendem Gelände auch einmal ein paar Meter über die Haken steigen muss und eher nur xxx vergibt. Hier merkt man, dass der Erstbegeher deutlich über den geforderten Schwierigkeiten stand. Die Mitnahme von mobilem Sicherungsmaterial kann man sich sparen, auch wenn man hier und da noch einen kleinen Cam unterbringt. Stand: September 2015.

5. Kirchlispitze - Via Pardutz 6c+ (6a+ obl.) - 12 SL, xxx m - Eggenberger et al. 1984 - **;xxx
To be continued...

7. Kirchlispitze - Komet 6a+ (6a obl.) - 10 SL, 380m - Schoch et al. 1985 - ***;xxx
Material: 10 Express, Camalots 0.3-3, Keile 4-9, 1x50m Seil.
Links: Blog, Routenverlauf

Beim Komet handelt es sich um eine der einfachsten, wirklich guten Routen durch die Südwände der Kirchlispitzen. Herausragend sind vor allem die 4 zentralen Seillängen, welche sich alle im Grad 6a+ bewegen. Sie bieten Kletterei an Verschneidungen, über Aufschwünge und Platten in bestem Fels und sind seit der Sanierung gut abgesichert. Die ersten 4 SL bis zum eigentlichen Beginn vom Komet, sowie die letzten beiden Längen sind deutlich alpiner. Dort steckt nicht viel Material, d.h. man muss sich den besten Weg selber suchen und auch selber absichern. Ebenso ist der Fels dort weniger kompakt und teilweise etwas grasig, aber grundsätzlich immer noch fest und von guter Qualität. Stand: Juli 2007.

7. Kirchlispitze - Achtibahn 7a (6c obl.) - 8 SL, 310m - Schoch/Winkler 1988 - ****;xx(x)
Material: 12 Express, Camalots 0.3-2, evtl. Keile 4-9, zum Abseilen besser 2x60m-Seile.
Links: Blog (mit Ergänzungen), Topo

Kontinuierlich schwere Plattenkletterei in allerbestem, kompaktem, plattigem Rätikonfels, welche hohe Anforderungen an den Vorsteiger stellt. Ursprünglich hart mit 6c+ bewertet, hat sich inzwischen 7a als realistischere Angabe etabliert - in meinem Topo befinden sich jedoch noch die alten Bewertungen. Ebenso war die Route ursprünglich eher knapp abgesichert. Im Jahr 2011 wurden die verrosteten Kronenbohrhaken dann durch solides Inoxmaterial ersetzt und einige heikle Stellen durch zusätzliche Haken entschärft. Dennoch sind etliche, fordernde Stellen verblieben, die angegebenen Schwierigkeiten müssen also auch zwischen den Haken im plattigen, technisch anspruchsvollen Gelände beherrscht werden. Stand: November 2011.

7. Kirchlispitze - Amarcord 7b+ (7a obl.) - 9 SL, 320m - M. Scheel et al. 1984 - ****;xx
Material: 12 Express, Camalots 0.3-4, Keile 3-9, lange Schlingen
Links: Blog, Routenverlauf, Topo

Ein Meilenstein des alpinen Sportkletterns, mit welchem Martin Scheel anno 1984 die Messlatte höher gesetzt hat. Richtig hart sind nur die beiden SL 4 und 5 durch die kompakte, steile Wandzone. Davor und danach folgt man weitgehend einer logischen, natürlichen Linie mit geringerem Anspruch. Der Fels ist durchgehend als gut bis sehr gut einzustufen: rauh, mit guter Reibung und von Tropflöchern durchsetzt. Die Absicherung an den schweren Stellen ist wohl fordernd, aber als genügend einzustufen. Das einfachere Gelände lässt sich bis auf zwei, drei Expo-Stellen (siehe Bericht) gut absichern. Leider stecken aber weitestgehend immer noch die Kronenbohrhaken des Erstbegehers - deren Ersatz wäre sicher sinnvoll. Stand: Dezember 2011.

7. Kirchlispitze - Kamala 7a (6b obl.) - 9 SL, 300m - M. & K. Dettling 2010 - ****;xxxx
Material: 14 Express, Cams/Keile nicht nötig, Fussabstieg möglich, zum Abseilen 2x50m-Seile
Links: Blog, Topo

Bestens mit Bohrhaken abgesicherte Kletterei, die zumeist über steile Platten aus bestem Rätikonkalk führt und sich innert kürzester Zeit zur beliebtesten Tour im Gebiet des Grüscher Älpli gemausert hat. Im unteren Routenteil sind noch zwei Grasbänder zu überqueren, was jedoch problemlos ist und kaum stört. Besonders herausragend ist dann die obere Routenhälfte mit anhaltender Kletterei im 6bc-Bereich auf Fels der Klasse Premier Cru. Cams und Keile sind weder nötig noch wirkungsvoll einzusetzen. Stand: November 2011.

7. Kirchlispitze - Desu 6c (6a+ obl.) - 8 SL, 260m - J.F. Schuler et al. 1991 - ***;xxx
Material: 12 Express, Camalots 0.3-2, Fussabstieg empfohlen, zum Abseilen 2x50m-Seile
Links: Topo (Desu ist Nr. 19)

Schöne Kletterei durch die Felswand unterhalb vom Schweizertor. Auch wenn diese auf den ersten Blick nicht ganz so kompakt und eindrücklich aussieht, so bietet sie doch sehr guten Fels und interessante Seillängen. Seit die Desu unten um eine zusätzliche Seillänge bereichert wurde, fällt auch der heikle Schrofenzustieg zum Routenbeginn weg. Danach wartet ein abwechslungsreicher Mix über steile Platten, Wandstufen und Wasserrillenwände. Die Absicherung ist gut, im einfachen Gelände teils etwas weiter, an den Schlüsselstellen prima. Stand: August 2003.

7. Kirchlispitze - Little Joe 6b (6a+ obl.) - 6 SL, 210m - Schoch/Winkler et al. 1991 - ***;xxx
Material: 12 Express, Camalots 0.3-2, Fussabstieg empfohlen, zum Abseilen 2x50m-Seile
Links: Topo (Little Joe ist Nr. 20)

Hübsche Tour durch die Felswand unterhalb vom Schweizertor. Der Fels ist auf weite Strecken gut bis sehr gut, besonders zu erwähnen sind die perfekten Wasserrillen in der letzten Seillänge. Auch wenn das Ambiente einer grossen Tour fehlt, so wird man hier doch genussvolle Kletterei finden. Die Absicherung mit Bohrhaken ist vernünftig bis gut ausgefallen. Da die Route nicht allzu lang ist, kann sie optimal mit der Kasama (5 SL, 6c+) am Schweizereck kombiniert werden. Auch ein Enchainement zusammen mit der Desu ist für schnelle Seilschaften denkbar. Stand: Sommer 1996.

Schweizereck

Mit dem Schweizereck, d.h. dem Westausläufer der Drusenfluh, verbindet mich eine Art Hassliebe. Die steile, gelbe Wand ist herausfordernd und attraktiv zugleich. Die dortigen Routen geniessen alle hohen Ruhm und haben auch mich immer wieder angezogen. Aus der Nähe zeigt sich dann, dass eigentlich alle davon zu einem recht grossen Teil über glatte, strukturarme Platten führen. In den steileren Bereichen ist der Fels zwar meist sehr scharf, aber irgendwie doch oft wenig strukturiert und nicht so kletterfreundlich. Zudem muss man sich die Tage, wo man hier klettern geht, gut aussuchen. Die Sonne kommt erst um ca. 13.00 Uhr um die Ecke. Vorher kann es eisig kalt, danach dann drückend heiss sein. Bei windigen Wetterlagen und insbesondere bei Föhn ist es zudem durch die Düsenwirkung des Schweizer Tors hier oft sehr zugig und unangenehm. Trotz dieser Vorbehalte: um diese Wand kommt man nicht herum!

Die Wände des Schweizerecks in ihrer ganzen Pracht. Die meisten Routen befinden sich im linken Wandteil.
Schweizereck - Schweizerzoo 7a (6c obl.) - 7 SL, 220m - Adank/Bodenwinkler 1991 - ***;xxx
Material: 2x50m-Seile, 12 Express, evtl. Camalots 0.3-0.75
Links: Blog (folgt), Topo

Schöne, abwechslungsreiche und interessante Kletterei in meist gutem Fels. Typisch für diesen Sektor ist er oft relativ struktur- und im oberen Teil auch reibungsarm, somit wirkt er nicht überaus kletterfreundlich. Für die erste Cruxlänge sollte man einerseits in senkrechter Wandkletterei bewandt sein, während in den oberen schwierigen Sequenzen eher gutes Antreten auf glatter Reibung und Bewegungsgefühl gefragt ist. Die Bewertungen dieser Längen sind auf der harten Seite und haben schon manchen Aspiranten auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt - mit roher Kraft allein ist es hier definitiv nicht getan. Die Route ist mit vielen BH gut abgesichert. In den schweren Längen stecken diese teilweise sehr eng (Niveau xxxx bis xxxxx). Trotzdem gibt's auch dort die eine oder andere zwingende Passage nahe der Höchstschwierigkeiten, weil's halt einfach keine guten Griffe hat und die Erstbegeher keine Hand zum Bohren frei hatten. Die einfacheren Abschnitte sind etwas weiter gesichert, so dass ein Set Cams von 0.3-1 plus ein kleinerer sich durchaus mitzunehmen lohnen. Alles in allem ist's vermutlich doch die zugänglichste Route am Schweizereck. Stand: September 2016.

Schweizereck - New Age 8a+ (7b obl.) - 5 SL, 130m - Beat Kammerlander et al. 1989 - *****;xx(x)
Material: 1x60m-Seil, 8 Express, Camalots 0.3-1, evtl. Keile

Ein grosser Klassiker mit sehr schöner, eindrücklicher Kletterei durch den oberen Wandteil am Schweizereck. Obwohl eigentlich nur fünf kurze Seillängen warten, werden sich die meisten hier einen ganzen Tag beschäftigen, zumal auch noch der klassische Weg mit Einqueren zum Einstieg (ca. 3 SL, 4a), oder dann drei Seillängen über Schweizerzoo (7a/6a+/6b) oder Schatila (6c/7a/7b) erledigt sein müssen. Zusammen mit dem gloorreichen Nimbus reicht's für die Höchstnote von fünf Sternen, und tatsächlich reisen ja auch Leute aus der ganzen Welt an, um hier nach dem roten Punkt zu jagen. Die Hauptschwierigkeiten der Route beschränken sich auf eine etwa 5m lange, technisch-bouldrige 7c-Passage am Anfang von L2, sowie den kurzen Boulder (8a+) übers Dach von L3. Der Rest der Route spielt sich grossmehrheitlich im 7a-Bereich ab. Die Absicherung ist nicht ganz so wild, wie es nach meiner Wahrnehmung suggeriert wird. Die Schlüsselstellen sind alle gut und fair eingebohrt, nur muss man da und dort halt 6c/7a auch 3 Meter über dem Haken noch sauber klettern können. Sowas ist dann doch eher selten, bzw.. aussergewöhnlich und erfordert natürlich schon, dass man sowohl mental wie technisch einiges auf dem Kasten hat. Da und dort kann man mit mobilen Sicherungen noch etwas ergänzen, zu Beginn von L1 ist dies sogar zwingend notwendig. Seit der Sanierung im September 2016 stecken nun solide Inox-BH, das zuvor altersschwache Material wurde mit Segen & Haken vom Maestro Beat Kammerlander 1:1 ersetzt. Ich wage jetzt einmal zu behaupten, dass die Route ein relativ dankbares Rotpunkt-Ziel abgibt. Sie ist nicht allzu lang, die beiden schweren Sequenzen sind kurz und lassen zahlreiche Versuche pro Tag zu und der Rest (wenn man ihn einmal kennt) sollte auf diesem Niveau nicht mehr das grosse Problem darstellen. Die an sich leichteren Via Acacia oder Hannibal's Alptraum erfordern wohl bestimmt nicht weniger Einsatz für einen stilreinen Gesamtdurchstieg. Die Route ist bis um ca. 13.00 Uhr im Schatten - zuvor ist es ausser an sehr heissen Tagen oft kühl, windig und fröstelig. Andererseits ist's ausser an herbstlich kühlen Tagen eher zu warm, wenn man an der Sonne klettern muss. Stand: August 2016.

Schweizereck - Schatila 7c (7a+ obl.) - 8 SL, 240m - Wyser/Tischhauser/Steiner/Morel/Götz 1992 - ****, xxx
Material: 10 Express, 2x50m-Seil. Keile/Friends nicht nötig bzw. nicht Nutzen bringend einsetzbar.
Links: Blog, Fototopo, Topo

Sehr anspruchsvolle, alpine Sportklettertour mit anhaltenden Schwierigkeiten. Auf den ersten 3 plattigen SL ist der Fels abschüssig-glatt und weist nur mässige Reibung auf, diese sind noch nicht so das Gelbe vom Ei. Danach wird die Kletterei etwas steiler, der Fels bleibt aber knapp strukturiert: häufig kleingriffig, schwer zum Stehen, Henkel und richtige Füsse gibt es nicht, insgesamt sehr anhaltend. Die BH sind an den schweren Stellen nie weit auseinander bzw. fast wie im Klettergarten vorhanden, die Sache ist aber dennoch sehr verpflichtend. Man kann sich hier halt einfach nicht an den Bolts zum nächsten guten Griff hochziehen, sondern muss praktisch jeden Meter ehrlich klettern. Bei wenigen einfacheren Stellen im Grad 6b, immer noch im plattig-anspruchsvollen Gelände, gibt es Runouts von bis gegen 8-10m, wo man sich bei Stürzen weh tun kann. Stand: August 2012.

Schweizereck - Intifada 7a+ (6c+ obl.) - 8 SL, 240m - Wyer/Tischhauser/Steiner/Götz 1989 - *****;xxx
Material: 2x50m-Seile, 10 Express, Keilset oder Cams entsprechender (Klein)grössen
Links: Bericht, Topo

Grosser Klassiker des Schweizer Alpinsportkletterns mit durchgehend anspruchsvoller Kletterei. Der Auftakt macht eine irre glatte Platte mit eher weiträumiger Absicherung, hier wird oft der in jeder Hinsicht gemütlichere Weg über die benachbarte Lilith gewählt. Zwei weitere Seillängen führen in eher plattig-technischer Kletterei zur steilen Wand darob. Dort wartet dann teilweise fantastische, stets steile und athletische Kletterei, oft an Tropflöchern, sowie auch ein paar Leisten und hier und da einer Rissspur wie in L6, diese Stelle bleibt nach Regenfällen und im Frühling länger nass. Eine knifflige Einzelstelle wartet zu Beginn von L7: schon zum ersten Bohri ist es nicht einfach und wenn die dort üblicherweise vorhandene Schlinge fehlt, auch heikel. Darüber hinweg ist es dann einfach schwer, dafür macht der Rest keine grösseren Probleme mehr. Der grosse Quergang in der letzten Länge ist dann wieder eher von fusstechnischer Natur. Die Absicherung ist dort nicht gerade eng gehalten und fordert von Vor- und Nachsteiger Einsatz, gefährlich ist diese berüchtigte Passage jedoch nicht. Der Erschliessungsstil ist generell noch vom Geist der 1980er-Jahre geprägt. Es stecken zwar regelmässig Bohrhaken, doch nicht unbedingt immer "konsumentenfreundlich", so dass doch viele schwere Stellen zwischen den Haken zu meistern sind. Hier und da (total ca. 5-7 Stellen) lässt sich ein Abstand noch mit einem Keil oder Friend entsprechender Kleingrösse entschärfen. Stand: Juli 2009.

Schweizereck - Anarchist 8a+ (7b obl.) - 11 SL, 385m - Wolf/Habersatter/Läng 2009 - ***;xxx
Material: 1x60m Einfachseil, 1x60m Hilfsseil, Haulbag, 16 Express (teils lange!), Camalots 0.5-1
Links: Blog, Routenverlauf, ein Topo findet sich im Extrem Ost

Extremroute mit anhaltenden Schwierigkeiten im Bereich 7bc in teils aussergewöhnlich steilem Fels, der vielfach athletische, mit bouldrigen Stellen gewürzte Kletterei bietet. Die Felsqualität empfand ich nicht als überragend, auch nach den mässig schönen Einstiegslängen ist es manchmal etwas splittrig, oder dann wieder sehr scharf. Schöner, strukturierter und griffiger Fels ist eher der Ausnahmefall, aber vielleicht sollte man diesen auch eher in einer Route im 7a-Bereich suchen ;-) Rein von der Schönheit her beurteile ich das als eine ***-Route. Extrapunkte mögen kompetente Aspiraten sicher für die luftige, herausfordernde Linie und die für MSL-Verhältnisse aussergewöhnlich steile, anhaltende und athletische Kletterei vergeben. In dieser Hinsicht ist die Route für Schweizer Verhältnisse wirklich ziemlich aussergewöhnlich. Die Absicherung darf man als gut bezeichnen, die schweren Stellen sind +/- sportklettermässig eingebohrt. Wo es etwas einfacher wird (7ab), darf man sich aber durchaus dem einen oder anderen (ungefährlichen) Runout erfreuen. Das einfache und brüchige Gelände zu Beginn empfand ich für meinen Geschmack als zu spärlich abgesichert. Stand: Juli 2013.

Schweizereck - Solo para Locos 7c (7a obl.)
To be continued...

Drusenfluh Westgipfel

Die Wände am Drusenfluh Westgipfel (P.2827, P.2727, P.2628) sind höher, wilder und alpiner wie jene an den Kirchlispitzen und dem Schweizereck. Die grosszügigen, und oftmals eher plattigen Klettereien weisen über weite Strecken Zonen mit sehr gutem, rauem Fels auf. In fast allen Routen ist aber auch das eine oder andere Schuttband zu queren. Sind mehrere Seilschaften in einer Route engangiert, oder insbesondere beim Abseilen ist daher Vorsicht geboten. Für viele der Routen in dieser Zone ist ein Fussabstieg über die Nordseite sicherer und bequemer. Weil wir hierbei von einer steilen Nordflanke auf doch immerhin 2700m sprechen, beschränkt sich die Saison dieser Touren auf den Hochsommer und Frühherbst.

Die drei Pfeiler am Drusenfluh Westgipfel (P.2628, P.2727, P.2827 [in den Wolken]) vom Heidbüel aus gesehen.
Drusenfluh - Alpenkönig 6c (6a obl.) - 11-16 SL, 700m - Ammann/Riebelmacher, 14.8.2000 - **, xxx
Material: 10 Express, Camalots 0.5-2, empfohlen werden 60m-Seile, 50m geht jedoch auch.
Links: Blog, Routenverlauf, Topo

Leichtere Rätikontour, die aber über weite Strecken den typischen, tollen Fels mit hervorragender Reibung und kletterfreundlicher Struktur bietet. Es sei jedoch auch gesagt, dass die Wand hier etwas strukturiert ist, d.h. es warten auch einfachere Teilstücke mit weniger gutem Fels, bzw. einigen Schrofen- und Geröllzonen. Den alpin orientierten Kletterer wird dies aber nicht zu stören vermögen. Nachdem die Route im Jahr 2007 durch die Erstbegeher mit 12 BH nachgerüstet wurde, kann man sie durchaus als gut abgesichert bezeichnen. Die schwereren Kletterstellen sind nun wirklich alle vernünftig behakt, einzig im leichteren Gelände gilt es hier und da ein Klemmgerät zu plazieren, oder einen Runout zu vergegenwärtigen. Man beachte, dass die Route in der unteren Hälfte dem Steinschlag exponiert ist!!! Deshalb sollte man nur bei sicherem Wetter einsteigen, und nur wenn sich absolut keine Schneeresten mehr in der Wand befinden. Das Abseilen über die Route ist durchführbar, aber mühsam, steinschlägig und wenig empfehlenswert - man wähle den Fussabstieg! Stand: Juni 2012

Drusenfluh - Yume 7a+ (6b obl.) - 18 SL, 690m - Roth/Schuler 1997 - ***;xx-xxxx
Material: 2x50m-Seile , 14 Express, Camalots 0.3-1
Links: Blog, Topo im Extrem Ost oder Panico-Führer Rätikon Süd

Eine der längsten Routen im Gebiet, welche den gesamten Pfeiler von P.2727 erklettert. Da der Beginn eher westseitig liegt, erreicht die Sonne den Einstieg und die ersten Längen nicht vor 13.00-14.00 Uhr. Man beachte dies, wie auch die totale Kletterzeit von 8-10 Stunden, bei der Tourenplanung und wähle besser einen Tag mit warmem, sicherem Wetter! Der untere und mittlere Teil der Route bietet durchaus schöne Kletterstellen, teils aber auch leichteres Gelände von durchschnittlicher Schönheit sowie zwei Schuttbänder, die traversiert werden müssen. Herausragende Rätikon-Kletterei in griffig-wasserzerfressenem Fels trifft man dann vor allem in den letzten 5 Seillängen. Die Absicherung an den schweren Stellen (ab ca. 6a+/6b) ist gut bis sehr gut ausgefallen. Im einfacheren Gelände sind die Abstände grösser, hier ist auch mal eine mobile Sicherung zu platzieren. Ein Rückzug aus der Route ist notfalls machbar, ein Abseilen vom Top macht jedoch wegen Länge, Umständlichkeit und den Schuttbändern herzlich wenig Sinn - man wähle den Fussabstieg. Stand: Juli 2009.

Drusenfluh - Mangold 6c+ (6c obl.) - 12 SL, 510m - Furger/Schmed 1995 - ****;xxx
Material: 2x50m-Seile, 12 Express, Camalots 0.3-2
Links: Topo

Tolle und grosszügige Route, die über weite Strecken Platten- und Steilplattenkletterei in gutem, oft sehr rauem Fels mit idealer Reibung bietet. Der Genuss wird nur von einem einzigen (problemlos begehbaren) Schuttband in Mitte der Wand unterbrochen. Die Absicherung ist vor allem auf den plattigen Seillängen im unteren Teil ziemlich fordernd. Es stecken zwar regelmässig Bohrhaken, aber wer eine plattige 6b nicht auch 3m über dem Sicherungspunkt noch kann, wird Schwierigkeiten haben. Ebenso ist die nominelle Crux in L7 (technische Kletterei, senkrecht) zwar gut gesichert, aber doch zwingend zu meistern. Oder wurde dort inzwischen ein Zusatz-BH gesetzt?!? Interessanterweise sind die letzten paar Seillängen dann eher komfortabler gesichert, und auch am schönsten, insbesondere die grandiose L9. Sofern niemand sonst klettert, lässt es sich hier vernünftig über die Route abseilen. Der Fussabstieg ist aber vermutlich trotzdem komfortabler und als Rückweg zum Grüscher Älpli schneller. Stand: Juli 1997 (eine der ersten Wiederholungen!!!).

Drusenfluh - Konflikt 7a+ (6a+ obl.) - 11 SL, 420m - Blasche/Schuler 1992 - ***;xxx
Material: 2x50m-Seile, 14 Express, Camalots 0.3-1
Links: Blog, Bericht, Topo

Sehr schöne und lange Route in einer grossen Wand. Vom Gesamtanspruch her leichter wie z.B. Mangold, Galadriel oder Kamala, vielleicht aber auch mit etwas weniger Charakter. Die ersten 7 Seillängen bieten recht gemütliche Plattenkletterei meist im 5c/6a-Bereich in schönem Fels, unterbrochen von einigen Schuttbändern. In der überhängenden Cruxlänge (L8) müssen zu Beginn zwar einige kleine Kratzer gekrallt werden, doch bald geht es an Töffgriffen im 6c+ Ausdauerbereich weiter. Die darauf folgende 6c-Länge hat es dann ebenfalls noch kurz in sich... richtig luftig ist sie ebenfalls. Dann ist das Top bald erreicht. Auch wenn man im Schrofengelände aufsteigend den Gipfel (P.2727) erreichen könnte, ist hier ein Abseilen über die Tour bequemer und empfehlenswert. Entgegen früheren Topos sind die Stände inzwischen auch gut eingerichtet. Die Absicherung kann man insgesamt als ganz passabel bezeichnen: in Schwierigkeiten bis 5c+ ist sie eher spärlich (Abstände bis zu 10m), im 6a-6b+ Bereich ist sie gut, die Passagen im Bereich 6c und darüber weisen kurze Hakenabstände auf. Mit einem Set Camalots 0.3-1 lässt sich ein paar Stellen noch etwas entschärfen. Wie bei allen Routen in diesem Sektor gilt: hinter einer anderen Seilschaft zu klettern ist wegen den Geröllbändern nicht unbedingt empfehlenswert. Stand: November 2007.

Sulzfluh

Die Sulzfluh stellt eigentlich ein ganzes Bergmassiv dar, an welchem an unterschiedlichen Stellen bei sehr unterschiedlichem Charakter geklettert wird. Einerseits ist das die steile SW-Wand, die einst als DIE Wand im Rätikon galt. Sie wird von einigen eindrücklichen Führen klassischen Zuschnitts durchlaufen. Dann gibt es beim Gamstritt einige kürzere MSL-Touren von plaisirartigem Charakter. Die etwas oberhalb gelegene Gamstobelwand bietet hingegen vorwiegend MSL-Sportkletterei auf hohem Schwierigkeitsniveau in prima Fels. Schliesslich ist da noch der Sektor Chli Venedig, d.h. die komplette SE-Flanke des Sulzfluh-Plateaus. Auch hier gibt's einige kurze, plaisirartige MSL-Touren an Wasserrillen, berühmt wurde dieser Sektor aber vor allem für seine langen, moderat schweren und oft begangenen Plaisirtouren wie Kathedrale, Abraxas und Rialto.

Frühmorgendlicher Blick auf das Sulzfluh-Massiv mit dem Hauptgipfel und seiner SE-Wand. Rechts die Gamstobelwand.
Sulzfluh SW-Wand - Neumann/Stanek 5c+ (5b obl.)
To be continued...

Sulzfluh SW-Wand - CKC-Führe 6a+ (6a obl.)
To be continued...

Sulzfluh - Austriakenriss 6a (5c+ obl.) - 9 SL, 280m - Hiebeler/Bachmann 1949 - **;xx(x)
Material: 1x50m-Seil, 12 Express, Camalots 0.3-2, kleines Keilset
Links: Bericht, ein Blog folgt zu späterem Zeitpunkt

Eindrückliche klassische Kletterei durch die imposante SW-Wand der Sulzfluh. Der einfachere Einstieg bietet 4 mässig schöne Seillängen in eher kleinsplittrigem Fels, die man aber auch rasch hinter sich gebracht hat. Es folgen zwei Seillängen mit imposanten Hangelrissen, zwei tiefe, dunkle Kaminseillängen und ein Pfeilerausstieg. In diesem, wesentlichen Teil ist der Fels meist gut, ja teilweise sogar richtig schön und kletterfreundlich. Die Kamine sind jedoch nur in trockenem Fels geniessbar, sonst ist die Mischung von Moos, Vogeldreck und Schmierauflage sicherlich höchst unangenehm. Insgesamt eine durchaus lohnende Unternehmung für Klassiker-Fans und Leute, die einmal die Grosstaten früherer Generationen würdigen wollen. Die Route wurde 1996 saniert, alle Stände wurden dabei mit Muniring & BH ausgerüstet. In allen Seillängen stecken hie und wieder auch gebohrte Zwischenhaken, zusammen mit den alten Rostgurken und einigen mobilen Gerätschaften ergibt sich eine durchaus gute Absicherung - ich empfand die Route weder gefährlich noch psycho. Ein Rückzug lässt sich wohl bewerkstelligen, ist jedoch sicherlich weder bequem noch empfehlenswert, daher besser nur bei guten Bedingungen und mit etwas Marge einsteigen. Stand: August 2015.


Klausenpass

Vom Rophaien am Vierwaldstättersee bis zu den Eggstöcken ob Braunwald gibt es auf gut 2000m Höhe einen praktisch durchgehenden Felsgürtel, der sich über eine Distanz von gut 30km oberhalb der Klausenpassstrasse hinzieht. Darin eingebettet sind zahlreiche, meist +/- nach Süden ausgerichtete Klettersektoren. Die einen sind kurz, die anderen lang, dann gibt es solche mit bestem Fels und natürlich fehlen auch die Felsen nicht, die einem ein eher alpines Erlebnis bieten. Am bedeutendsten und bekanntesten sind die Sektoren Ganderflue, Berglichopf, Läged Windgällen, Chli und Hinter Glatten, die Jegerstöck sowie die Eggstöcke oberhalb von Braunwald. Viele der Gebiete bieten einen kurzen und einfachen Zugang und haben wegen ihrer Lage eine lange Saison. Der steile Kalk in dieser Zone ist oft sehr griffig, rauh und so gut strukturiert, dass Seillängen mit Schwierigkeiten >7a Seltenheitswert haben.

Hinter Glatten

Die rund 250m hohe, nach SSE ausgerichtete Wand des Hinter Glatten befindet sich östlich der Passhöhe, unweit vom Hauptgipfel P.2505 des Massivs. Während die Wand im Frühsommer oft von Schmelzwasser überronnen ist, findet man die besten Bedingungen im Sommer und vor allem im Herbst, wenn die Sonne bereits um ca. 8.00-8.30 Uhr ihre Aufwartung am Einstieg macht. Im Gegensatz zu seinem westlichen Nachbarn, dem Chli Glatten, sind die Routen hier mit 7-8 SL etwas länger und spürbar alpiner. Dies beginnt schon mit dem Zustieg. Er ist zwar weder lang (ca. 40 Minuten) noch extrem schwierig (ca. T5), aber doch weglos und führt im oberen Teil auch kurz durch Absturzgelände. Einfache Klettereien gibt es hier keine, die meisten der bis dato 14 Routen verlangen zumindest eine 7a. Die nötigen BH stecken jeweils, doch selten viel mehr. Hier muss man also auch den einen oder anderen Runout einkalkulieren und sich dabei wohl fühlen. Die Kletterei ist meist senkrecht bis überhängend, plattige Passagen gibt es nur wenige. Der Fels trumpft über weite Strecken mit positiven Leisten, griffigen Auflegern, Tropflöchern und in den Dachzonen mit Henkeln auf. In fast jeder Route gibt es jedoch auch ein paar kurze Passagen mit schlechterem Gestein.

Die steile und rund 250m hohe Wandflucht des Hinter Glatten am Klausenpass, welche bis dato 14 Routen beherbergt.
Hinter Glatten - Einbahnstrasse 7a (6b obl.) - 8 SL, 255m - Jörg Zemp 1986 - ***, (xxxx)
Material: 14 Express, evtl. Camalots 0.3-0.5, 2x50m-Seile
Links: Blog, Routenverlauf, Topo (Route Nr. 3)

Sehr schöne, steile und abwechslungsreiche Wandkletterei im typischen, meist sehr guten, griffigen Fels mit hervorragender Reibung. Für alle Felswände um den Klausenpass charakteristisch sind aber auch einige kurze, etwas brüchige/splittrige Stellen. Diese sind in der Einbahnstrasse beinahe vernachlässigbar und stören nicht, ausser in der letzten SL, wo sich die klettertechnische Crux leider gerade in einer solchen Zone abspielt und der Route den vierten Schönheitsstern kostet. Die Absicherung ist von den Abständen her an den schweren Stellen klettergartenmässig und auch an den einfacheren vernünftig, d.h. auf Niveau xxxx. Weil das Hakenmaterial aber definitiv in der Alteisensammlung oder im Museum passender versorgt wäre, steht das ganze in Klammern. Zu erwähnen ist auch, dass der weiteste Abstand gleich mehrmals zwischen Stand und erstem BH zu finden ist. Stand: Oktober 2012

Hinter Glatten - Nirvana 7a (6b+ obl.) - 8 SL, 270m - Gisler/Müller 2000 - ****; xxx
Material: 2x50m-Seile, 12 Express, Keile/Friends nicht nötig
Links: Topo

Sehr schöne alpine Sportkletterei mit bestechender Linie zentral durch die steile Wand, vermutlich die beste Tour im Sektor. Hier ist der Fels beinahe durchgehend von sehr guter Qualität und es gibt kaum Bruchpassagen. Die Absicherung fordert zwar durchaus ein bisschen, ist aber durchgehend gut mit sinnvoll platzierten Bolts, zudem steckt auch zeitloses Inox-Material. Die Schwierigkeiten sind ziemlich anhaltend und auch wenn sich die zuerst propagierte 7b für die Cruxlänge nicht manifestiert hat (diese Bewertung gilt nur, wenn man übertrieben direkt über die Haken steigt und die guten Griffe unmittelbar daneben auslässt), so ist hier doch Einsatz und Können notwendig, um Rotpunkt am Top anzukommen. Stand: August 2008.

Hinter Glatten - Wätterhäx 7a (6b+ obl.) - 7 SL, 280m - Fullin/Wicky 1999 - ***;xx
Material: 2x50m-Seile, 12 Express, Camalots 0.3-1, Helm (!!!)
Links: Blog, Routenverlauf, Topo (Route Nr. 5)

Trotz vereinzelt etwas brüchiger Passagen im leichteren Gelände und ein paar hohlen Blöcken oder Schuppen die man passiert, bietet die Wätterhäx über weite Strecken tolle, athletische und gutgriffige Kletterei an grossen Auflegern, positiven Leisten und scharfen Tropflöchern. Insgesamt kann man sagen, eine für die Zone absolut typische Route mit viel genialer Kletterei und ein paar rustikalen Passagen, über alles gibt es drei Sterne. Die Absicherung ist an den Stellen >=6b+ in Ordnung (xxx). Darunter und insbesondere im einfacheren, manchmal etwas brüchigen Gelände sind die Abstände weit und ein Sturz würde wohl oftmals böse enden. Deshalb lautet die Gesamtbewertung nur xx. Von den zahlreichen Runouts lassen sich nur wenige mit Klemmgeräten entschärfen. Trotzdem gibt's ein paar Placements (insgesamt ca. 4-5 Stück), welche die Mitnahme von Camalots 0.3-1 rechtfertigen. Die Route wurde in den 16 Jahren ihres Bestehens bisher 29x begangen, im Schnitt also 1-2x pro Jahr mit zuletzt abnehmender Tendenz. Im 2014 gab es nur eine Begehung und im 2015 war unsere kurz vor Saisonende die erste. Somit wird man hier kaum auf Grossandrang stossen. Allerdings sollte man hier auch nicht hinter einer anderen Seilschaft klettern und insbesondere beim Abseilen ist Vorsicht angebracht, es geht kaum ohne Steine zu lösen. Die Eigengefährung in der steilen Wand ist überschaubar, die Fremdgefährdung wäre jedoch gefährlich hoch! Stand: November 2015.

Hinter Glatten - Z'Tüfelswärch 7a (6b obl.) - 11 SL, 335m - Frigg Zimmermann 1995 - ***;xxxx
Material: 2x50m-Seile, 12 Express, evtl. Camalots 0.3-0.75
Links: Topo

Vermutlich die zugänglichste Route in der Wand, vor allem dank der im Vergleich zu den anderen Routen gut ausgefallenen Absicherung mit Inox-BH. Sie bewegt sich im Grenzbereich zwischen xxx und xxxx. Um eine Abgrenzung gegenüber den anderen Routen zu erreichen, habe ich schliesslich mit xxxx bewertet. Auf den Einsatz von mobilen Sicherungsmitteln kann man verzichten. Die Linienführung mit einem grossen (aber gutmütigen und auch für den Nachsteiger gut abgesicherten) Quergang ist originell und die Kletterei eigentlich durchgehend schön und lohnend. Die Schwierigkeiten sind hier nicht ganz so anhaltend wie in den anderen Routen, welche mir bis dato bekannt sind, und die 7a beschränkt sich auf eine relativ kurze Einzelstelle. Man beachte, dass ein Rückzug nach dem grossen Quergang in L4 schwierig ist und wähle deshalb einen wettersicheren Tag und sei sich seinen Limiten in Bezug auf Zeit, Kraft und Psyche bewusst. Stand: August 2010.

Jegerstöck

Die dolomitisch anmutenden Jegerstöck befinden sich oberhalb vom Urnerboden und sind ein etwa 10km langer Teil der Klausenkette. Sie bauen auf einer Art Sockel auf, welcher auf einer Höhe von 2200m durch ein grasiges Band namens Zingelfad begrenzt ist. Während es auch an den unteren Wänden einige Touren gibt, spielt die Musik an den Türmen und Zinnen oberhalb. Allzu viele Besucher verirren sich nicht ins Gebiet, denn lange waren die Touren geheimnisumwittert, die Zustiege sind eher lang und teilweise auch herbalpin. Und während über weite Strecken allerbester, rauh-griffiger Hochgebirgskalk der ersten Güteklasse wartet, beinhalten doch die meisten Routen auch ein paar ruppige Passagen mit grasigen Metern oder dem nicht immer über alle Zweifel erhabenen Klötzlifels. Dennoch, wer sich an die Jegerstöck aufmacht, wird garantiert mit einem eindrücklichen Klettererlebnis von hohem Erlebniswert belohnt.

Blick auf einen wesentlichen Teil des Massivs, vom Rot Nossen bis zum Zentralgipfel, beim Zustieg an einem Herbstmorgen.
Zingelstöckli - Via Ursi 5b+ (5b obl.) - 6 SL, 180m - Ortlieb/Zweifel 1998 - **; xxx
Material: 8 Express, 1x50m oder 2x50m-Seil
Links: Bericht, Topo im Führer GLclimbs

In nur etwa 20 Minuten Zustieg, zuletzt mit einer steilen Grastraverse, erreicht man den Einstieg an diesem den Jegerstöck vorgelagerten Felskopf. Danach folgt steile, alpin angehauchte Kletterei in griffigem Fels, meist von guter bis passabler Qualität. Einige brüchige und grasige Passagen hat es jedoch auch. Die Route ist vernünftig abgesichert, immer dann wenn es nötig ist steckt dann schon wieder ein BH. Zusätzliche Sicherungsmittel sind weder unbedingt nötig, noch können sie wirkungsvoll angebracht werden. Die Route wird im Schnitt etwa 2-3x pro Jahr begangen und verlangt etwas Erfahrung in solchem Gelände. Als Ausweichziel oder Appetithäppchen an einem Tag mit unsicherem Wetter ist sie dank der talnahen Lage jedoch durchaus empfehlenswert. Stand: August 2006.

Gabchopf - Tüfflüger 6b (6a+ obl.) - 6 SL, 175m - Frigg Zimmermann 1994 - ***; xxxx
Material: 10 Express, 2x50m-Seil
Links: Topo im Führer GLclimbs

Der Gabchopf ist eine markante Felswand am Sockel der Jegerstöck, oberhalb der Alp Zingel gelegen. Zum Einstieg sind es rund 600hm und eine gute Stunde Marschzeit. Dank dem praktisch durchgehend sehr guten Fels, der sonnigen Lage, der moderaten Länge und den geringen Alpinanforderungen trifft man hier die Jegerstöck-Routen, die am ehesten als Plaisir durchgehen. Die älteren Routen wurden alle saniert, die neueren waren seit jeher gut ausgerüstet. So trifft man auch im Tüüfflüüger nach einer durchzogenen Startlänge auf einen abwechslungsreichen Mix von teilweise sehr schöner Wandkletterei in Premium-Fels, luftigen Querungen und auch ein paar rustikalere Meter an Rissen und Verschneidungen. Die Absicherung ist prima und kann als xxxx bewertet werden. Stand: Juni 2011.

Gabchopf - Hanäschrei 6a+ (6a obl.) - 6 SL, 195m - Arnold/Gisler/Indergand 1985 - ***; xxxx
Material: 12 Express, 2x50m-Seil
Links: Blog, Topo im Führer GLclimbs

Eindrücklich steile und seit der Sanierung prima abgesicherte Linie im zentralen Wandteil, welche zudem auch die längste Route am Gabchopf darstellt. Wie bei allen Touren am Berg ist die erste Seillänge noch etwas durchzogen, danach folgt dann aber Wandkletterei in tollem Fels, gewürzt mit ein paar luftigen Querungen. Wer am Gipfel noch nicht genug hat, kann im Schrofengelände (ca. T5) in 10-15 Minuten zum Wandfuss des Rot Nossen aufsteigen, und dort eine weitere Route anhängen. Oder aber man schwebt bequem abseilend retour zum Wandfuss. Besonders an Spätherbsttagen bei Inversionslage ist das Klettern hier oben der reinste Genuss! Stand: Mai 2009.

Rot Nossen - Spätzünder 6b (6a obl.) - 4 SL, 125m - Zimmermann/Gisler 1994 - ***; xxx
Material: 8 Express, Camalots 0.3-1
Links: Topo im Führer GLclimbs

Relativ kurze, aber interessante und trotzdem eindrückliche Route. Besonders zu erwähnen sind der auch für den Nachsteiger fordernde Hangelquergang in der ersten Länge, sowie die steile Wandkletterei inklusive Dachpassage unmittelbar danach. Die Absicherung mit soliden und strategisch geschickt platzierten Inox-BH ist gut und kann mit Klemmgeräten hier und da noch verbessert werden. Leider ist die Route nicht allzu lang, sie kann aber gut an eine Gabchopf-Tour angehängt werden. Alternativ kann man von ihrem Ende auf dem ersten Band auch über die klassische Südwandroute weitersteigen und so den Gipfel des Rot Nossen erreichen. Stand: Juni 2011.

Rot Nossen - Rapunzel 6b+ (6b obl.) - 14 SL, 450m - Frei/Rast 2000 - ****; xxxx
Material: 12 Express, 2x50m-Seile, Keile/Friends nicht nötig und kaum einsetzbar

Imposante, beinahe schon dolomitisch anmutende Felstour. Sie führt erst über einige von Grasbändern unterbrochene Aufschwünge, auch dort warten schon einige schöne und lohnende Klettermeter. Das Herzstück der Tour ist dann aber der gut 200m hohe, steile Gipfelturm. Hier führt die Kletterei in atemberaubender Position durch steilen, griffigen und angenehm rauhen Fels. Ein paar wenige Stellen mit minderer Felsqualität gibt es auch, diese sind aber bei entsprechendem Können und Erfahrung problem- und gefahrlos zu meistern. Achtung, die letzten beiden Seillängen unter den grossen Dächern bleiben bei Schneeschmelze oder nach Regenfällen vermutlich länger nass. Die Absicherung mit (fast durchgehend Inox-)BH ist tiptop ausgefallen. Es müssen keine zusätzlichen Sicherungen gelegt werden, und der obligatorische Grad könnte eventuell auch auf nur 6a+ hinunterkorrigiert werden. Auch wenn die Route zum Abseilen eingerichtet ist und dies mit etwas Vorsicht und Erfahrung gut zu meistern ist, so würde ich dennoch empfehlen, den Fussabstieg via Läckipass in Erwägung zu ziehen. Die Wanderung entlang der Krete mit tollen Tiefblicken stufe ich als genussreicher ein wie das Abseilen. Stand: August 2014.

Zingelfadstock - Südturm 6c (6a obl.) - 11 SL, 385m - Kempf/Gisler/Bachmann 1988 - **; xxx
Material: 12 Express, 2x50m-Seil, Keile/Friends nicht nötig und einsetzbar
Links: Blog, Topo im Führer GLclimbs

Die nach der Jahrtausendwende sanft sanierte Südturmroute bietet einen Mix aus moderner und klassischer Kletterei. Sie bietet neben einigen schönen und kompakten Seillängen auch einige längere Sequenzen an Schrofen und eher brüchigem Fels. Gemäss den Einträgen im Wandbuch ist sie nicht sonderlich beliebt und erfreut sich nur an etwa 2-3 Begehungen pro Jahr. Die Schwierigkeiten sind wenig anhaltend, die Schlüsselstellen zudem auch gut abgesichert, so dass sie technisch geklettert werden können. Insgesamt handelt es sich um eine der einfachsten Jegerstöck-Routen, dennoch wird das ganze Repertoire der (alpinen) Kletterkünste abgefragt. Stand: Mai 2009.

Zingelfadstock - Carpe Diem 7a (6c obl.) - 10 SL, 370m - Fullin/Schuler/Arnold 2003 - ****; xxxx
Material: 12 Express, 2x50m-Seile, Keile/Friends nicht nötig und kaum einsetzbar
Links: Blog, Routenverlauf, Topo im Führer GLclimbs

Unter den mir bisher bekannten nach meinem Geschmack eine der besten Touren an den Jegerstöck! Es erwartet einen fast durchgehend hervorragender, rauher Fels und anhaltende, homogene Schwierigkeiten um 6c rum. Geboten wird meist Wandkletterei an positiven Leisten, mit dem einen oder anderen Wulst und Überhang dazwischen. Die Absicherung ist durchwegs bestens mit ideal platzierten BH. Insgesamt also ein richtiger alpiner Sportklettergenuss, der aber trotzdem nicht viele Begehungen sieht. Die Route endet gemeinsam mit der klassischen Südturmroute, über welche dann man auch abseilt. Es ist darum nicht von Nachteil (wenngleich nicht zwingend erforderlich), jene Route zu kennen. Stand: September 2011.

Gsicht - Südpfeiler 6b+ (6a obl.) - 10 SL, 370m - Fullin/Gisler 1977 - **; xxx
Material: 14 Express, Camalots 0.3-3, Klemmkeile 4-9
Links: Topo im Führer GLclimbs

Der Pfeiler, an welchem die Route verläuft, weist von weit weg tatsächlich und markant die Züge eines menschlichen Antliz auf. Schon oft hatte ich ihn von weither bestaunt. Als dann in den Nullerjahren die Kunde von einer Sanierung an mein Ohr drang, stieg der Wunsch einer Begehung und so packte ich diese Herausforderung als meine erste Jegerstock-Route an. Schon der Zustieg durchs Schneetal ist eindrücklich und verlangt ein gewisses Können in alpinem Gelände. Die Route bietet dann einen Mix zwischen moderner und klassischer Kletterei. Die unteren Seillängen sind recht schön, weisen ziemlich guten Fels auf und sind (insbesondere an den schweren Kletterstellen) auch gut bis sehr gut abgesichert. Gegen oben wird die Kletterei dann einfacher, aber auch alpiner. Man folgt einer Art Grat mit mehreren, wandartigen Aufschwüngen. Dort ist der Fels teilweise grasig und brüchig und an den einfacheren Stellen muss man mangels Absicherung etwas Selbstvertrauen mitbringen. Das Abseilen über die Route ist möglich, im oberen Teil aber ziemlich aufwendig und wegen den vielen losen Steinen auch nicht gänzlich gefahrenfrei (uns hat es ein fast neues Seil gekostet). Ich würde eher einen Fussabstieg via Läckipass empfehlen, man erspart sich so auch den heiklen Rückweg durchs Schneetal. Stand: September 2007.

Signalstock - Herkules 6c+ (6b obl.) - 12 SL, 470m - Kempf/F. Gisler/L. Gisler 1991 - ****; xxxx
Material: 12 Express, 2x50m-Seil, evtl. Camalots 0.3-1, Keile nicht nötig

Sicher eines der absoluten Highlights an den Jegerstöck! Obwohl, nach einem ziemlich langen Zustieg von beinahe 2 Stunden startet die Route mit einer unschön brüchig-mergeligen Länge. Danach wird man aber mehr als entschädigt, im unteren Teil wartet prima Wandkletterei an schönem, steilem und griffigem Fels, die Schwierigkeiten sind anhaltend im Grad 6bc. Der obere Teil folgt einem Pfeiler bis kurz unter den Gipfel. Auch hier warten noch einige schöne Seillängen im Bereich 6ab, es hat jedoch auch einfachere Passagen, wo der Fels von minderer Qualität ist (d.h. grasig und splittrig). Die Absicherung mit (den kurzen!) Sondi-Ring-BH ist gut bis sehr gut, jedoch ist der Grad 6b schon zwingend. Das Abseilen - oben über die Route dann über die separate Piste - ist gut möglich und auch recht effizient. Noch ein kleiner Tipp: im Frühjahr verbleibt in den vielen Runsen, die auf dem Zingelfad gequert werden müssen, der harte Lawinenschnee lange liegen, so dass alpine Ausrüstung zwingend erforderlich sein kann. Oder man geht die Route erst im Sommer oder im Herbst an. Stand: Oktober 2009.    

Salistock - Windrose 7b (6b+ obl.) - 9 SL, 295m - Fullin/Rauner 2001 - ***; xxxx
Material: 12 Express, 2x50m-Seil, Keile/Friends nicht nötig
Links: Bericht, Topo im Führer GLclimbs

Eine tolle, typische Jegerstöck-Route! Sie bietet über weite Strecken tolle, steile Kletterei in gutem bis erstklassigem Hochgebirgskalk, nebenbei gibt es aber auch ein paar urchige Passagen, wo man nicht bedenkenlos jedem Griff und Tritt vertrauen kann. Insgesamt aber doch sehr lohnende und auch abwechslungsreiche Kletterei, hervorzuheben ist insbesondere der obere Wandteil, welcher mit athletischer und ausgesetzter Ausdauerkletterei aufwartet. An allen schweren Kletterstellen ist die BH-Absicherung super, an den einfacheren Stellen sind die Abstände etwas weiter, aber immer noch absolut im grünen Bereich. Trotzdem wird die Route - wie auch alle anderen an den Jegerstöck - nur sehr selten begangen. Wissenswert dürfte auch noch sein, dass sie bei Schneeschmelze oder nach heftigen Regenfällen kaum vollständig trocken anzutreffen sein dürfte. Stand: Juni 2011.


Mythen

Die Mythen bilden ein ganzes, voralpines Bergmassiv, welches den Talkessel von Schwyz dominiert. Zum alpinen Sportklettern ist dieses Gebirge nicht sonderlich berühmt, es handelt sich mehr um einen Spielplatz für Wanderer und alpine Kraxler. Die Überschreitung von Haggenspitz und Kleiner Mythen, die Wyss-Wändli-Route oder das Rot Grätli am Gross Mythen sind Paradetouren dieses Genres. Auch wenn der Fels am Mythen gemeinhin als grasig oder von mässiger Qualität wahrgenommen wird, so gibt es doch neben den Klettergärten Peter & Paul und Holzegg an der Westwand des Gross Mythen und am Geissstock in dessen Südflanke wirklich lohnende MSL-Klettereien. Durch die sehr sonnige Lage und die geringe Höhe sind diese bis spät im Herbst und dann früh im Frühling wieder machbar und stellen daher auch dank der guten Zugänglichkeit in der Nähe der Ballungsräume dankbare Kletterziele her.

Kleiner und Grosser Mythen aus dem Talkessel von Schwyz. Die kompakten Zonen von Westwand und Geissstock sind gut sichtbar.
Gross Mythen - Westwand - Hampeissiwäg 6b+ A0 (6a+ obl.) - 10 SL, 390m - EB - **;xxx
Material: 1x50m-Seil, 15 Express, Camalots 0.3-2, evtl. Keile
Links: Blog, Topo

Klassisch-schöne und voralpin-abenteuerliche Kletterei durch die 300m hohe Westwand des Gross Mythen, sicherlich keine typische Plaisirroute. Das gilt bereits für den Zustieg, der etwas Spürsinn und Erfahrung im T5-Gelände braucht. Die Kletterei verläuft in solidem Fels, bietet aber immer wieder mal eine botanische Passage, was jedoch kaum heikel ist und auch nicht extrem stört. Nebst zwei technisch gekletterten Stellen (Pendelquergang und Hakenleiter), die frei sehr schwierig wären, warten noch 3-4 kurze, nicht zwingende Stellen im Bereich 6b, der Rest der Route spielt sich dann hingegen eher im vierten und fünften Grad ab. Die Absicherung mit einem Mix der nötigen BH, Schlaghaken und selbst gelegten Sicherungen (Klemmgeräte, Schlingen) ist gut. Ein Rückzug ist unter Mitbenützung der parallel verlaufenden Abendsonne möglich, ein Abseilen über die Tour hingegen nicht. Dafür muss man den Ausstiegsstand der Abendsonne auffinden können. Empfehlenswerter ist aber sowieso der Aufstieg zum Gipfel via Rot Grätli und ein Abstieg über den Normalweg.

Gross Mythen – Westwand – Abendsonne 7b (6b obl.) – 11 SL, 320m - ***xxxx
Material: 12 Express, evtl. Camalots 0.3-1 (hin und wieder einsetzbar, nicht zwingend).
Links: Blog, Topo

Schöne alpine Sportklettertour durch die kompakten Zonen der Westwand am Gross Mythen. Sie bietet einen Wechsel zwischen athletischer, griffiger Kletterei und technisch anspruchsvollen Zonen. Sämtliche Schlüsselstellen sind kurz, aber erfordern ein gutes Bewegungsgefühl, Kraft für kleine Griffe und sauberes Antreten auf Reibung. Die Absicherung ist, bis auf einige etwas grössere Abstände im leichteren Gelände, vorzüglich. Dennoch sollte man 6b/6c solide draufhaben, damit die Tour Spass macht. Hier und da könnte man ein Klemmgerät platzieren, ich würde sie bei einer nächsten Begehung jedoch nicht mehr mitnehmen. Hinweis: die Schwierigkeitsangaben im Topo sind nicht mehr ganz aktuell, für die neusten Informationen konsultiere man meinen Blog. Ein Abseilen über die Tour ist recht gut möglich, ebenso der Weiterweg zum Gipfel via Rot Grätli oder der Abstieg über den Schafweg. Stand: November 2011

Gross Mythen - Geissstock - SE-Wand 6b (5c+ obl.) - 9 SL, 325m - Grüter/Anderrüthi 1957 - **;xxx
Material: 1x oder 2x50m-Seil, 12 Express, Camalots 0.5-2, einige lange Schlingen
Links: Blog, Topo

Die SE-Wand am Geissstock wurde von zwei Spitzenkletterern der damaligen Zeit erstbegangen und galt lange als Route der Extremen. Im museumsreifen und äusserst spannenden Wandbuch von 1957 finden sich denn auch alle Schweizer Alpingrössen der 1950er und 60er Jahre. In den 70er- und frühen 80er-Jahren wurde die Route dann zum Testpiece für die erste Sportklettergeneration. Um 1990 wurde anlässlich einer Sanierung für eine gute Grundabsicherung mit Bohrhaken gesorgt. Trotzdem scheint sie das heutige Publikum nicht mehr anzusprechen, im Schnitt nur noch 1x pro Jahr trägt sich eine Seilschaft im Wandbuch ein. Für mich ist das unverständlich: es handelt sich hier um einen wirklichen Klassiker, der mit Routen wie der 2. Kreuzberg Südverschneidung oder sogar der Direkten Nordwand am Grossen Bockmattliturm mithalten kann. Wenn's auch teilweise etwas Botanik hat, so ist die Felsqualität doch grundsätzlich gut und fest, die Absicherung solide und der Erlebniswert hoch. Hinweis: ein Rückzug über die Route ist sicher möglich, das Abseilen jedoch unbequem. Man gelangt entweder über den benachbarten Mauerläufer wieder zu Tal, steigt über den Schafweg ab oder über Mythenmatt und Rot Grätli zum Mythengipfel. Stand: April 2010

Gross Mythen - Mauerläufer 7b (6c obl.) - 9 SL, 270m - Betschart/Büeler 1991 - ****;xxx
Material: 2x50m-Seile, 12 Express, Camalots 0.3-1, evtl. Set kleine Keile

Lässige alpine Sportklettertour durch die steile und sonnige Geissstock-Südwand. Sie bietet einiges an Abwechslung, von Verschneidungs- über Plattenkletterei zu Sloperproblemen, Tropflöchern und Ausdauermoves an positiven Leisten. Die ersten 3 Seillängen bieten einen etwas herben Auftakt mit nicht auf jedem Meter perfektem Fels, einigen nicht sonderlich störenden Grasbüscheln, noch eher weiter Absicherung und (in der Originalversion) harter Bewertung. Ab L4 geht's dann in meist kompakten, grasfreiem Fels von guter Qualität bis zum Gipfel, hier sind dann sowohl Absicherung wie Bewertung komfortabler ausgefallen. Ich persönlich zögere nicht, hier nach meinem tollen Erlebnis die vollen vier Sterne zu vergeben, ganz nüchtern objektiv sind es vielleicht auch nur drei. In Bezug auf die Absicherung sind die schweren Stellen >6c alle sehr gut und eng auf Niveau xxxx eingerichtet. Im einfacheren Gelände heisst es hingegen schon öfters einmal weitersteigen, weshalb die Gesamtbewertung nur xxx erreicht. Ein paar Stellen lassen sich mit kleinen bis mittleren Klemmgeräten und allenfalls auch kleinen Keilen zusätzlich absichern. Für den routinierten Gänger sind diese Hilfsmittel jedoch nicht zwingend nötig. Zu beachten ist, dass die Literaturangabe von 6a+ obligatorisch ein falsches Bild der gestellten Anforderungen vermittelt. Um die Tour hochzukommen und zu geniessen, muss man mindestens den Grad 6c solide und über den Haken beherrschen. Stand: Dezember 2015.


Wendenstöcke

Die Wendenstöcke bilden eine rund 10km lange, generell nach SSE orientierte Kette im Gadmertal, auf der Westseite des Sustenpass. Vom Tällistock bis zum Titlis gibt es hier verschiedene Sektoren mit total rund 130 MSL-Routen. Das Herzstück bilden dabei die Routen an Pfaffenhuet, Gross Wendenstock und Reissend Nollen. Dies ist das Epizentrum des alpinsportlichen MSL-Kletterns in der Schweiz. Obwohl man in aller Regel nur im unteren Bereich dieser Berge klettert, so sind die Routen wegen Felsqualität, Nimbus und Anspruch sehr begehrt. Die Kletterei ist oft steil und athletisch, der Fels vielfach fest, optimal strukturiert und griffig. Da stört es dann auch nicht, dass man nach rund 10 SL am Ausstieg irgendwo im nirgendwo angekommen ist, d.h. an dem Punkt wo der feste Fels zugunsten von endlosem Schotter aufhört. Die Saison an den Wendestöcken erstreckt sich grob vom Juli bis in den Oktober hinein. Früh im Jahr stören oft Schmelzwasserstreifen aus den bis 3000m hohen Gipfelregionen und solange auf den Bändern weiter oben noch Schnee liegt, herrscht erhebliche Steinschlaggefahr. Im Hochsommer tritt ab der Mittagszeit (ausser an sehr stabilen Tagen mit tiefer Luftfeuchtigkeit) oft thermische, tiefbasige Quellbewölkung auf, welche die Wände in den kalten, gespentischen Wendennebel hüllt, der beim Klettern unangenehm ist. Die besten Bedingungen trifft man in der Regel im Herbst an, jedoch nur bis der erste Schnee fällt. Zu erwähnen ist die Absicherung: je nach Route schwankt diese zwischen gut bis Harakiri, fast überall ist sie jedoch knapp gehalten und erfordert einen beherzten Vorstieg, Plaisirrouten gibt es keine. Die Zustiege weisen inzwischen meist sichtbare Wegspuren auf und sind bei guten Bedingungen nicht allzu heikel. Trotzdem führen sie über weite Strecken durch steile Schrofen, die keine Fehler erlauben, es haben sich im Zustieg bereits tödliche Unfälle ereignet. Wer an den Wenden in ein Gewitter kommt, hat auf mehrere Arten ein Problem: in den oberen Wandbereichen können sich enorme Wassermassen sammeln, welche sich als gewaltige Sturzbäche über die Routen und Einstiegsbereiche ergiessen, zudem führen diese dann auch die Steine mit, welche in den oberen Wandbereichen so zahllos herumliegen. Und natürlich bekommt dann auch der Weg ins Tal über die nassen Schrofen eine ganz andere Dimension, als man ihn am morgen bei freundlichem Wetter im Aufstieg wahrgenommen hat.

Der zentrale Teil der Wendenkette mit Mähren, Pfaffenhuet und den Sektoren am Gross Wendenstock.

Tällistock (2580m)

Der dolomitisch anmutende Tällistock bildet mit seinen 2580m Gipfelhöhe den westlichen Eckpfeiler des Massivs. Er ist etwas tiefer gelegen und die Routen führen bis zum Gipfelgrat (aber nicht dem Gipfel selber) hinauf, so dass man hier nach sommerlichen und herbstlichen Kaltfronten schneller wieder auf gute Bedingungen trifft als in den anderen Sektoren. Nichtsdestotrotz, auch dies ist ein alpines, nicht zu unterschätzendes Kletterziel mit steilem Zustieg und einem langen, nichttrivialen Fussabstieg. Begehrt ist am Tällistock vor allem die eindrückliche, klassische Inwyler/Bielmeier (6a+). Die alpinen Sportklettertouren neueren Datums werden hingegen nur selten wiederholt. Das liegt vor allem daran, dass die Wände am Tällistock etwas weniger kompakt sind und die Felsqualität hier durchaus einen Tick schlechter ist wie in den zentralen Sektoren. Deswegen gehen weniger Leute hin, daher weiss und hört man nur wenig über diese Touren, was auch keine Besucher anzieht. Irgendwie ein Teufelskreis... wer ihn durchbricht, findet jedoch sicher auch hier schöne und lohnende Klettermeter. Inzwischen konnte ich neben der Inwyler/Bielmeier auch noch die La Trahison begehen, auf die anderen Routen in dieser Wand bin ich ebenso gespannt!

Der dolomitisch anmutendende Tällistock mit seiner steilen, nach SSE exponierten und rund 400m hohen Wand.

Tällistock - La Trahison 7a (6b+ obl.) - 16 SL, 500m - C. & Y. Remy 1992 - ***;xxx
Material: 2x50m-Seile, 12 Express, Camalots 0.3-1 plus 1 kleinerer, evtl. Keilset
Links: Blog, Topo


Eindrückliche und lange Kletterei durch den steilen, linken Wandteil am Tällistock. Man darf diese Route gut und gerne als anspruchsvolle Wendentour bezeichnen. Allerdings trifft man hier nicht auf die homogen beste Felsqualität ohne Bänder dazwischen wie ein paar Kilometer weiter östlich. Gestandene Alpinkletterer müssen sich vom einen oder anderen grasigen Band oder ein paar splittrigen Metern jedoch nicht abhalten lassen. Der Fels ist zudem meist besser als er auf den ersten Blick von unten aussieht, als heikel in Bezug auf die Gesteinsqualität empfanden wir die Route nirgends. Wenn, dann ist's im schlimmsten Fall etwas splittrig, lose Blöcke, hohle Schuppen und dergleichen gibt's hingegen kaum. Wie im Text bereits erwähnt, warten auch viele Klettermeter in bestem Wendenfels auf die Begeher, die Route hat viel Charakter und stellt schlicht und einfach ein Abenteuer dar. Insgesamt gibt's für mich drei Sterne, ich liebe sowas! Die Absicherung ist mit über 100 BH recht gut ausgefallen. Psychisch anspruchsvolles Harakiri-Gelände weitab von der letzten Sicherung tritt kaum auf, am ehesten noch aus dem insgesamt zugänglichen Rahmen fallen L5 und das Finish von L13 - geht aber schon. Leider gibt's kein Routenbuch, aber ich vermute, dass diese Tour noch kaum Wiederholer gefunden hat - Kletterspuren gibt's weder vor Ort, noch im Netz, noch durch mündliche Überlieferung. Irgendwie schade, es lohnt sich wirklich, jedenfalls für Leute die alpine Erfahrung haben oder dieser erweitern möchten. Stand: Juli 2016.

Tällistock - Inwyler/Bielmeier 6a+ (6a obl.) - 14 SL, 450m - Inwyler/Bielmeier 1960 - ****;xxx
Material: 2x (evtl. 1x bei Nordabstieg) 50m-Seil, 12 Express, Camalots 0.3-2, evtl. Keile
Links: Blog, Bericht, Topo

Toller Alpinkletterklassiker durch die steile, dolomitisch anmutende SE-Wand am Tällistock. Die wirklich kühne Leistung der Erstbegeher soll hier gewürdigt sein! Auch nach heutigen Massstäben ist die Kletterei durch Risse und Verschneidungen, über Tropflochplatten, Wasserrillen und henklige Dächer wirklich sehr lohnend. Der Fels ist meist vorzüglich und bestens strukturiert. Die Absicherung liegt für meinen Geschmack im grünen Bereich. Die Stände sind mit Muniringen saniert, meist steckt auch unterwegs der eine oder andere BH an strategisch günstiger Stelle, und etliche NH sind auch noch vorhanden. Punktuell will noch die eine oder andere mobile Sicherung gelegt sein, allzu viel Eigeninitiative ist jedoch nicht gefragt, insbesondere nicht an den Schlüsselstellen. Stand: September 2014.


Mähren (2970m)

Die gewaltige Felsmauer des Mähren wird nur relativ selten beklettert. Das liegt zu einem wesentlichen Teil daran, dass um viele der Routen an diesem Berg Geheimniskrämerei herrscht, d.h. dass leider nie Topos veröffentlicht wurden. Zugleich sind die meisten Routen lang, schwer oder nur spärlich abgesichert, oft treffen alle drei Dinge gleichzeitig zu. Nebenbei trifft man in den Routen der beiden Haupterschliesser Lechner und Pitelka nicht selten auch nur auf vergammelte Schlingen in gebohrten Sanduhren anstelle von soliden Bohrhaken, schade! Wegen der wenigen Besucher findet man auch im Netz nur wenige Informationen, dazu ist auch der Zustieg noch weglos und ohne genaue Infos einfach mal ins Blaue zu klettern ist ja oft auch nicht so prickelnd. Schade eigentlich, denn natürlich steht die Felsqualität am Mähren derjenigen in den Sektoren rechts daneben nur um wenig bis nichts nach.

Die gewaltige Felsbastion des Mähren vom weglosen, steilen Zustieg aus gesehen.
Mähren – No Name 7a+ (6b+ obl.) – Lechner/Pitelka 1990 – 11 SL, 350m - ***, xx
Material: 10 Express, 2x50m-Seile, Camalots 0.3-2, Cliff, Messer, Seilstücke für Sanduhren, evtl. Tibloc fürs Fixseil.
Links: Blog, Routenverlauf

Die „No Name“ bietet über weite Strecken tolle Kletterei in prima Wendengestein. Die Fixseilpassagen bzw. die Schrofenzonen sind wendenuntypisch, sind aber durchaus zu verkraften. Während die steilen, athletischen Passagen im unteren Teil gut abgesichert sind, warten oben dann weite Sicherungsabstände über den windigen, gebohrten Sanduhren, die eine gewisse Unerschrockenheit und Risikobereitschaft erfordern. Stand: Oktober 2011.

Mähren – AHV 6b (6b obl.) – Michal Pitelka – 2 SL, 100m - **, xxx
Material: 12 Express, 2x60m-Seile, Keile, Camalots 0.3-0.5
Links: Blog, Routenverlauf

Es handelt sich um eine durchaus lohnende Kurztour in gutem Fels. Natürlich entbehrt sie mit ihren 2 Seillängen am Fuss einer 700m-Wand vielerlei Logik, und kaum jemand wird den weiten Zustieg für eine solch kurze Kletterei in Kauf nehmen. Als Dessert oder Trostpflaster ist sie aber auf jeden Fall empfehlenswert. Die Absicherung ist trotz einigen Runouts vernünftig, v.a. in der zweiten Seillänge muss aber zwingend mobil ergänzt werden. Stand: Oktober 2011.

Mähren - Torwächter 7a (6c obl.) - 11 SL, 340m - K. & R. Ochsner 1991 - ****;xxx
Material: 2x50m-Seile, 12 Express, Camalots 0.3-1, evtl. Messer, Draht & Seilstücke
Links: Blog

Sehr schöne Kletterei über den SE-Pfeiler am Mähren. Die  Linie fernab von anderen Routen gibt der Sache etwas einzigartiges, qualitativ kann der Torwächter definitiv mit den Pfaffenhuet-Routen mithalten. Der Fels ist meist sehr schön, rau und mit guter Reibung. Unterwegs gibt's Abwechslung zwischen der wendentypischen Kletterei an runden Löchern, Leisten, Seitgriffen und plattigen Passaagen. Zur Höchstnote reicht's nicht ganz aufgrund der zwei (gut passierbaren) Schuttbänder, der im oberen Teil nicht mehr so anhaltenden Schwierigkeiten und kompakt-luftigen Linie. Die Absicherung darf man als gut bezeichnen, für eine Wendenroute erst recht. Wie üblich bei einer Route von Kaspar Ochsner kann man sich darauf verlassen, dass dort wo es heikel würde, dann schon wieder ein Bohrhaken kommt - in den schwierigen Seillängen sogar auch schon vorher. In den einfacheren, oberen Seillängen ist die BH-Dichte geringer. Hier kann man mit einem Set Camalots 0.3-1 aber immer wieder mobil ergänzen und erreicht auch da einen genügenden Standard. Erwähnt sei, dass die Absicherung zu einem Teil aus (gebohrten) Sanduhrschlingen besteht und man auch bei den Abseilstellen oft auf die Qualität des Textils angewiesen ist. Derzeit (Oktober 2017) war alles in gutem Zustand, aber natürlicherweise wird dies ohne weiteren Unterhalt nicht ewig so bleiben. Somit kann es sich durchaus empfehlen, sich für das Ersetzen gewisser Schlingen vorzubereiten. Das Topo zur Route findet man im Schweiz Extrem West (z.B. bei Bächli Bergsport erhältlich). Stand: Oktober 2017


Pfaffenhuet (3007m)

Beim Pfaffenhuet (oder Pfaffenhüöt, wie in der neusten Schreibweise der Landeskarte im lokalen Dialekt) handelt es sich um den beliebtesten Sektor an den Wendenstöcken. Das liegt daran, dass der untere Wandteil bis aufs erste Band vorzüglichen, kletterfreundlichen Fels bietet. Gleichzeitig ist der Zustieg hierhin zwar immer noch steil, aber ohne grössere Gefahrenmomente und extrasteile Schrofenpassagen. Die Routen haben mit rund 10 SL eine ideale Länge und sind meist nicht ganz so verzweifelt schwer wie in den anderen Sektoren. Ebenso ist die Kletterei im Vergleich zu den benachbarten Bergen nicht ganz so steil, d.h. oft steilplattig und nur punktuell athletisch und überhängend. Das wesentlichste Argument ist aber sicherlich, dass der legendäre Kaspar Ochsner der Haupterschliesser an diesem Berg war. Er hat seine Routen zwar durchaus auch anspruchsvoll eingerichtet, sie sind aber gut eingebohrt, d.h. die Haken stecken in vernünftigen Abständen und vor allem auch an den richtigen und wichtigen Stellen - genussreiches, alpines Sportklettern für Fortgeschrittene also.

Die gewaltige Bastion des Pfaffenhuet an den Wendenstöcken.

Pfaffenhuet - Sonnenkönig 6c (6a+ obl.) - 11 SL, 325m - Kaspar & Ruth Ochsner 1990 - ***; xxx
Material: 2x50m-Seile, 10 Express, Camalots 0.3-2
Links: Topo im Schweiz Extrem West

Wie so manche Seilschaft erlebte ich anno 1997 in dieser Route meine Wenden-Première. Sehr schöne und beliebte Kletterei, vielfach plattig mit einer steil-griffigen Cruxlänge, die nach fantastischer Henkelkletterei an einen etwas abgelutschten Riss führt. Ambiente und Ausgesetztheit bieten (nur) einen Vorgeschmack auf das, was in den Nachbartouren wartet. Die Absicherung darf man in der Cruxlänge als gut bezeichnen, die Hauptschwierigkeit muss nicht zwingend geklettert werden. In allen anderen, einfacheren Längen muss man durchaus hier und da beherzt von den Haken wegsteigen, doch bevor man Stress oder graue Haare bekommt, ist der nächste Sicherungspunkt in aller Regel erreichbar. Achtung: eigentlich endet diese Route nicht am ersten Band, sondern führt weiter bis hinauf zum Gipfel. Dieser obere Abschnitt ist aber wohl deutlich alpiner und wird nur äusserst selten begangen - ich kenne niemanden, der sich je dort oben herumgetummelt hat. Stand: Juni 1997.


Pfaffenhuet - Passion 7a (6b obl.) - 9 SL, 330m - Kaspar Ochsner 1992 - ****;xxx
Material: 2x50m-Seile, 12 Express, Camalots 0.3-2, Keile nicht zwingend nötig
Links: Blog, Topo

Sehr schöne Steilplatten-Kletterei in gutem, rauem Wendenkalk, gehört insgesamt zu den zugänglicheren Routen an den Wendenstöcken. Athletische Stellen gibt es auch ein paar, aber doch seltener wie in vielen anderen Routen am Massiv und als in den Pfaffenhuet-Routen weiter rechts. Auch wenn häufig deutlich über die Sicherungen hinaus gestiegen werden muss und im leichteren Gelände teils grössere Abstände warten, darf man die Route als vernünftig oder gut abgesichert bezeichnen. Mit einem Satz von kleinen bis mittleren Cams kann man punktuell gut ergänzen, die Schlüsselstellen sind sowieso gut gebohrt und wie eigentlich immer bei Ochsner-Routen kann man sich darauf verlassen, dass die Haken am richtigen Ort stecken und dass man nach einem Runout nicht vor dem nächsten Klipp nicht noch irgendwelche Harakiri-Moves zum Anklettern des nächsten Bolts ausführen muss. Stand: August 2010.

Pfaffenhuet - No Name 6c+ (6c obl.) - 3 SL, 80m - Piola/Sprüngli 1992 - ***;xx
Material: 2x50m-Seile, 10 Express, Camalots 0.3-1
Links: -

Baseclimb, zu erkennen an den goldenen Simond-Plättli, das zwischen der Passion und der El Condor liegt. Es handelt sich eigentlich um ein abgebrochenes Projekt der Seilschaft Piola/Sprüngli, da sich die Fortsetzung der Route wegen einer Zone ungenügender Felsqualität nicht lohnt. Die eingerichteten 3 SL bieten jedoch prima Kletterei an wasserzerfressenem und strukturiertem Fels. Die Absicherung ist weitgehend gut (xxx) aber doch zwingend, an einer Stelle mit einem etwas heiklen Runout (xx) hätten die Erstbegeher wohl noch nachgebessert, wenn die Route ein Hit geworden wäre. Stand: September 2014.


Pfaffenhuet - El Condor Pasa 6c+ (6b obl.) - 11 SL, 320m - Kaspar & Ruth Ochsner 1991 - ****;xxx
Material: 2x50m-Seile, 10 Express, Camalots 0.3-2
Links: Blog, Topo im Schweiz Extrem West

Weniger häufig begangene, aber sehr lohnende, abwechslungsreiche Wendentour, insgesamt eine der leichteren Routen am Massiv. Nebst einer spektakulären, athletischen und gut gesicherten Cruxlänge meist Wandkletterei im Schwierigkeitsbereich 6a/6b an wasserzerfressenem Fels (unten) und Knobs (oben). Auch die einfacheren Seillängen empfand ich als echte Perlen. Während die athletische Cruxlänge und sämtliche Cruxen gut mit Bohrhaken gesichert sind, muss man sich im plattigen 6a-Gelände auch abseits und über den Haken zurechtfinden - mit der dort durchaus spärlich gehaltenen Absicherung werden die meisten nicht einfach durchmarschieren. Stand: Juli 2008.


Pfaffenhuet - Voie de Frère 6c+ (6b obl.) - 10 SL, 320m - Piola/Sprüngli 1991 - ****;xxx
Material: 2x50m-Seile, 12 Express, Camalots 1-3 (nur für die 1. Seillänge nötig!)
Links: Blog, Topo im Schweiz Extrem West

Beliebte Kletterei durch den zentralen Teil der Pfaffenhuet-Südwand, die man sich leider erst mit einer psychisch anspruchsvollen, (zu) knapp abgesicherten Wasserrillen-Einstiegslänge (6b) verdienen muss. Dort müssen zwingend einige semi-zuverlässige Friends in Löcher gelegt werden und ein unerschrockenes Gemüt ist von Vorteil. Danach folgt über mehrere SL griffige, athletische und fast klettergartenmässig gesicherte Kletterei, bevor dann zuletzt nochmals einige plattigere Passagen folgen. Hinweis: sämtliche Topos behandeln die allerletzte (zehnte) Seillänge (20m, 6b) links über den Wulst aufs Ringband hinauf stiefmütterlich - sie lohnt sich aber sehr und bietet gute Kletterei. Stand: September 2009.

Wendenkletterei der grandiosen Art in der ersten Seillänge der Route Inuit (6c+) am Pfaffenhuet.

Pfaffenhuet - Transocean 7b+ (7a+ obl.) - 6 SL, 230m - Ruhstaller/Rathmayr 2010 - ****; xxx
Material: 2x50m-Seile, 10 Express, evtl. Camalots 0.5-1
Links: Blog, Topo

Schöne, schwere und oft kratzige Kletterei zentral an der Südwand des Pfaffenhuet. Von psychsich herausfordender Plattenkletterei über Crimperei an kleinen, rauhen Strukturen zu athletisch-grossgriffigen Zonen wird ein bisschen alles geboten. Die Felsqualität ist praktisch durchgehend gut, ja teilweise sogar fantastisch. Zwei, drei etwas weniger schöne oder staubige Stellen sollen hier jedoch nicht unerwähnt bleiben, was sich mit weiteren Begehungen sicher noch verbessern wird. Die Absicherung kann man als vernünftig bezeichnen. Wirklich gefährlich ist es nirgendwo und an den schweren Stellen sind die Abstände nie extrem weit. Dennoch sind viele schwere Passagen absolut zwingend zu meistern, was der Sache doch einen reichlich sportlichen Anstrich gibt. Der obligatorische Grad von 7a+ passt und spricht alleine schon Bände. Klemmgeräte und -keile können eigentlich kaum wirkungsvoll eingesetzt werden, meines Erachtens kann man diese auch gleich daheim lassen. Besondere Würdigung verdient der Runout am Ende von L5, die 6-7 zwingenden Meter über die feinstrukturierte Platte im 7a-Bereich wird zumindest der Vorsteiger nicht so rasch vergessen, egal ob der Abflug passiert oder nicht... Stand: September 2014.


Pfaffenhuet - Patent Ochsner 7a (6c obl.) - 13 SL, 380m - Kaspar & Ruth Ochsner 1993 - *****;xxx
Material: 2x50m-Seile, 12 Express, Camalots 0.3-1.
Links: Topo im Schweiz Extrem West

Fantastische und direkte Kletterei zentral durch den rechten Teil der Pfaffenhuet-Südwand. Eine der besten und beliebesten Routen an den Wenden, was vor allem auch daran liegt, dass die Bohrhaken hier etwas enger stecken als in manch anderen Routen - nicht gerade wie im Klettergarten, aber längere Runouts im Stil der älteren Routen wie z.B. der Sternschnuppe gibt's hier deutlich weniger, Klemmgeräte kann man kaum zum Einsatz bringen. Die Kletterei beginnt in den ersten 3 Seillängen plattig, dann warten 5 steile, athletische und griffige Seillängen zum Wandbuch hinauf. Die letzten 5 einfacheren und nicht mehr ganz so steilen Längen aufs Ringband (welche nominell zur früher erschlossenen Sternschnuppe gehören) werden längst nicht von jeder Seilschaft begangen. Sie sind zwar nicht schlecht, können aber qualitativ nicht ganz mit dem Gebotenen bis zum Wandbuch mithalten. Stand: September 1997.


Pfaffenhuet - Sternschnuppe 6c+ (6c obl.) - 14 SL, 420m - Kaspar & Ruth Ochsner 1987 - *****;xx
Material: 2x50m-Seile, 10 Express, Camalots 0.3-1.
Links: Bericht, Topo im Schweiz Extrem West

Absolute Weltklasse-Tour mit genialer Kletterei in meist hervorragendem Fels, für mich eine der besten an den Wenden! Unten direkt durch das „graue Meer“, an den für den Pfaffenhuet typischen Löchern. Gegen oben athletischer werdend über den Steilriegel hinweg. Kein Wunder nennen die Italiener diese Route "Silbergeier dei poveri" (d.h. "Silbergeier für Normalos"), das finde ich hier absolut gerechtfertigt. Die Bolts stecken im Vergleich zu den anderen Routen am Berg eher spärlich, sind aber immer genau dort wo man sie am meisten braucht. Sich mehrere Meter über dem letzten Bolt den Weg durch den griffigsten Fels zu suchen, gehört hier zum Programm, was die Route aber auch so bemerkenswert macht. Zusätzlich abgesichert werden kann aufgrund der Felsstruktur nur selten, dennoch sollte man auf die empfohlenen Klemmgeräte nicht verzichten. Stand: Juli 2010.


Pfaffenhuet - Inuit 6c+ (6c+ obl.) - 13 SL, 420m - Kaspar & Ruth Ochsner 1986 - ****; xxx
Material: 2x50m-Seile, 12 Express, Camalots 0.3-2.
Links: Blog, Bericht, Topo im Schweiz Extrem West

Tolle Wendentour, die viel Abwechslung bietet. Durch die dem einfachsten Weg folgende Linienführung mit einigen Quergängen hat die Tour mehr alpines Flair als ihre Nachbarn. Die Tour ist weniger athletisch und weniger anhaltend wie z.B. die Voie de Frère oder Patent Ochsner. Immer wieder sind dafür eher weite Hakenabstände zu überwinden, d.h. die Bohrhaken sind klar spärlicher anzutreffen als in der Voie de Frère oder Patent Ochsner. Trotzdem würde ich die Route als gut abgesichert bezeichnen. Die Bolts sind optimal plaziert, so dass in den Schlüsselstellen immer einer in der Nähe ist, zudem steckt seit der Sanierung 2009 solides Inoxmaterial. Von der Kletterführerangabe mit 6b+ obligatorisch lasse man sich nicht blenden. Die Schwierigkeiten gehen gleich nach dem Einstieg los, wenn man mit den Füssen auf dem Silexeinschluss steht. Dann hilft der Haken etwas rechts auf Kniehöhe rein gar nichts mehr zur Fortbewegung. nach links oben Die Stelle ist gut abgesichert, aber zu 100% zwingend, deshalb ist für mich glasklar ein hartes 6c+ obligatorisch. Der Rest der Route ist dann in Bezug auf die Kletterschwierigkeiten deutlich leichter verdaulich. Stand: Oktober 2009.


Pfaffenhuet - Dragon 6c (6b obl.) - 7 SL, 280m - Y. & C. Remy 1988 - ***, xxx
Material: 12-14 (auch lange!) Express, Camalots 0.3-3, Keile 4-9
Links: Blog, Routenverlauf, Topo im Schweiz Extrem West

Abwechslungsreiche Route auf der rechten Seite des Pfaffenhuet. Sie bietet erst zwei anspruchsvolle Plattenlängen, dann 2.5 SL an einer einfacheren, etwas rustikalen Verschneidung, wo der Fels ok ist, aber nicht immer allerbeste Wendenqualität aufweist. Die 2.5 Abschlusslängen bieten dann steile, griffige Wandkletterei und sind wiederum prima. Die Route wurde von den Gebrüdern Remy selber im 2009 "saniert", wobei das Wort nicht wirklich passt: an einigen einfacheren Stellen wurden ein paar wenige Zusatzbolts gesetzt. An den Schlüsselstellen, wo schon früher BH waren, blieben Abstände und Material beim Alten. Somit stecken dort sowie an den Ständen noch die Haken von 1988. Ziemliche Mogelpackung also, das mit der Sanierung. Zudem: als Bewertung sähe ich jetzt 7a (6b+/6c obl.) als realistischer an. Immerhin merkt man gleich auf den ersten Metern, ob es passt oder nicht. Stand: September 2011.


Gross Wendenstock

To be continued...


Reissend Nollen

To be continued...



Signal

Das Signal, oder genauer die Routen am P.2210 hoch über dem Urbachtal, befinden sich in der Nähe von Innertkirchen im Berner Oberland. Das Klettern hier bildet ein tolles Gesamterlebnis. Der Zustieg ist eher lang und überwindet eine Höhendifferenz von beinahe 1000m. Er führt aber durch schönes und sehr eindrückliches Steilgelände auf Pfaden, welche früher zur Bewirtschaftung angelegt wurden. Und dann sind da natürlich die 6 Routen (Optimist, Wurzelbrut, Häxering, Berghäx, Tronco, Sternwächter), welche Kaspar Ochsner in die tolle Felswand gelegt hat. Sie bieten meist steilplattige Kletterei an Gestein mit hervorragender Reibung, aufgelockert mit Passagen an Löchern und auch der einen oder anderen athletischen Henkelpassage. Der Einstieg befindet sich auf ca. 1960m in sehr sonniger SE-Lage, je nach Jahreszeit bescheint die Sonne die Routen von ca. 7.00-15.00 Uhr. Hier kann man oft schon relativ früh im Jahr angreifen, auch nach Niederschlägen ist die Wand bald wieder bekletterbar und selbst im Herbst geht's ziemlich lange, wenn man denn früh genug aufstehen mag.

Bildunterschrift hinzufügen
Signal - Wurzelbrut 6c+ (6b obl.) - 10 SL, 320m - Kaspar & Ruth Ochsner 1992 - ****;xxx
Material: 2x50m-Seile, 12 Express, Keilset oder Camalots 0.3-0.75
Links: Bericht, Topo

Sehr schöne Kletterei in bestem, sehr rauhem Fels. Plattige und athletische Passagen wechseln sich ab. Die Route ist eher streng bewertet, dafür von auserlesener Schönheit und folgt über weite Strecken der logischen, natürlichen Linie. Die Absicherung ist gut, trotzdem sind diverse nichttriviale Moves zwischen den Haken zu klettern und in einigen Verschneidungen und Rissen muss noch in Eigeninitiative mit Keilen oder kleinen Cams ergänzt werden. Die neueren Routen Häxering und Tronco darf man als eher etwas zugänglicher und leicht tiefer in den Gesamtanforderungen einstufen. Stand: Juni 2003.

Signal - Häxering 6c+ (6b obl.) - 11 SL, 320m - Kaspar Ochsner 1998 - ****;xxxx
Material: 2x50m-Seile, 14 Express, Camalots 0.3-0.75 für den Wurzelbrut-Ausstieg
Links: Topo

Sehr schöne Tour in durchgehend gutem Gestein, inklusive dem Ausstieg über die Wurzelbrut-Längen vielleicht die beste und homogenste Linie am P.2210!?! Die Kletterei spielt sich vorwiegend auf Steilplatten ab, ein paar löchrige Passagen gibt's auch, und etwas Athletik ist in L2 und dem Wurzelbrut-Ausstieg auch gefordert. Wenn man etwas bemängeln will, dann könnte es die nicht immer ganz logische Linie sein. Hier hat der Erstbegeher vermutlich von oben ausgecheckt um die besten und spektakulärsten Klettermeter herauszuholen. Wenn's denn wirklich so war, das hat sich gelohnt. Die Absicherung ist vor allem in den ersten 5 Seillängen sehr freundlich mit eng steckenden BH ausgefallen. Die letzten 3 Häxering-Längen erfordern dann auch einmal ein bisschen Engagement zwischen den Haken. Für den Wurzelbrut-Ausstieg sollte man sogar noch ein paar kleine Cams mitführen. Stand: Mai 2011.

Signal - Tronco 7b+ (6b obl.) - 12 SL, 320m - Kaspar Ochsner 2001 - ***;xxxx
Material: 2x50m-Seile, 14 Express, evtl. Camalots 0.4-1
Links: Blog, Bericht, Topo

Schöne Route mit abwechslungsreicher Kletterei. Oft Steilplatten, einige Teilstücke an Wasserrillen und Löchern, die beiden schwersten Längen sind steil und athletisch. Die Absicherung mit BH ist gut und freundlich, es gibt nur wenige längere Abstände in einfachem Gelände. Dort könnte man auch noch das eine oder andere Klemmgerät platzieren, wir empfanden es nicht als unbedingt nötig. Die Felsqualität auf den Platten ist meist hervorragend mit besten Reibungswerten. Einige kurze Abschnitte sind etwas grasig oder weisen leicht mindere Felsqualität auf, das stört jedoch kaum. Was der Route etwas fehlt ist der Charakter einer grossen, natürlichen Linie, teilweise ist der Verlauf zu Gunsten von homogenen Schwierigkeiten, gutem Fels und interessanten Kletterstellen etwas gesucht. Insgesamt aber solide drei Schönheitssterne, für die schöne Umgebung, das tolle Erlebnis und das geniale Wetter gebe ich für mich persönlich gerne einen vierten hinzu. Stand: Juni 2016.


Wellhorn

Das Wellhorn befindet sich im Berner Oberland, genauer in der Gegend zwischen Meiringen und Grindelwald im Tal von Rosenlaui. In einer magischen, alpinen Szenerie direkt am Gletscher gelegen bietet es bis dato 6 alpine Sportkletterrouten. Alle sind rund 20 Seillängen lang, bieten 500-700 tolle Klettermeter in meist perfektem, oft etwas plattigem Kalk. Die Wand auf 2000m gelegene Wand ist nach SE exponiert und wird von ca. 8.00-15.00 Uhr von der Sonne beschienen. Die beste Jahreszeit ist der Sommer. Früh im Jahr gibt es oftmals noch störende Schmelzwasserstreifen, im Herbst sind hingegen die Tage sehr kurz. Achtung, man sollte nur bei absolut sicherem, gewitterfreiem Wetter einsteigen. Man sieht diese nämlich in der Regel nicht kommen, ein Rückzug dauert lange und in der Wand gibt es absolut gar keinen Schutz.

Rosenlauigletscher mit Dossen, Rosenhorn und Wellhörnern. Die SE-Wand ist in der rechten Bildhälfte klar erkennbar. Bild: chmoser.ch

Wellhorn - Aura 7a (6b obl.) - 25 SL, 700m - K. Ochsner 2001/2002 - ****; xxx-xxxx
Material: 13 Express, 2x60m-Seile (!), Keile/Friends nicht nötig
Links: Bericht, Topo im Extrem West

Da der Originaleinstieg fast immer nass ist, hat sich bei dieser Tour der Einstieg über die ersten 7 SL von Miracolo (Ochsner, 2003, 6c/6c+, 6b obl., xxxx) eingebürgert. So haben wir dies gemacht und sind in diesem Teil auf athletische Kletterei über einige Dächer und Wülste, meist an guten Horizontalleisten und Löchern getroffen. Im mittleren Routendrittel (nun Aura) wartet Kletterei auf Platten und an Wasserrillen, als Schlussbouquet dient dann steile Wandkletterei an Löchern und wasserzerfressenem Fels. Die Route ist gut, an den Schlüsselstellen sogar sehr gut abgesichert, unten einen Tick besser als oben. Kleiner Tipp: falls irgendwo hoch oben am Wellhorn noch Wasserstreifen zu sehen sind, so betreffen sie ganz bestimmt die Aura. Stand: Juli 2010.

Wellhorn - Chaosparadies 6c+ (6b obl.) - 23 SL, 750m - K. Ochsner 2001 - ****; xxx-xxxx
Material: 14 Express, 2x50m-Seile, Keile/Friends nicht nötig
Links: Bericht, Topo im Extrem West

Tolle und lange Kletterei, welche dem meistens sehr guten Fels folgt. Nur ein paar kurze und einfache Teilstücke sind weniger schön, was aber nicht relevant ist. Die Schlüsselstellen sind alle sehr gut abgesichert, im einfachen Gelände und besonders ganz zuoberst sind die Abstände etwas weiter. Insgesamt ist das Chaosparadies etwas besser abgesichert als das benachbarte Adlerauge, allerdings auch einen Tick schwieriger. Zu erwähnen ist vielleicht auch noch, dass an 1-2 schweren Stellen Kletterhallen-Griffe montiert waren. Ohne diese wäre die freie Begehung nicht im Grad 6c+ zu haben. Ob diese aktuell noch vor Ort sind? Ich weiss es nicht. Stand: Juni 2003.

Wellhorn - Adlerauge 6b+ (6a+ obl.) - 19 SL, 650m - Ochsner/Baldinger/Glarner 1987 - ****; xxx
Material: 12 Express, 2x50m-Seile, Keile/Friends nicht nötig
Links: Blog, Topo, Topo

Sehr schöne, bereits klassische Route in magischer, hochalpiner Szenerie. Die Kletterei führt oft durch perfekten, rauhen, vom Wasser bearbeiteten Fels mit allerlei Griffformationen, besonders erwähnenswert sind die zahlreichen Löcher aller Grössen und die immer wieder präsenten Knobs. Dazwischen gibt es auch einige einfachere Meter in nicht ganz so gutem Fels, diese sind aber nie heikel oder besonders störend. Die Absicherung kann man als vernünftig bezeichnen. Alle Schlüsselstellen (>=6a+) sind sehr gut mit BH abgesichert. An einfacheren Kletterstellen (<=5c) hat es teils weite Abstände, immerhin ist die Kletterei dort griffig und gut kontrollierbar. Ebenso kann man sich wie bei Kaspar Ochsner üblich darauf verlassen, dass vor der nächsten schweren Kletterstelle wieder geklinkt werden kann. Trotzdem, ein Sturz an der falschen Stelle könnte hier und da gefährlich sein. Stand: Juli 2014


Eiger

Der Eiger und seine Nordwand, wer hat noch nie davon gehört?! Ganz sicher bestimmt keiner, der sich für das Klettern interessiert. Klassisch wird die Wand mit Schnee, Eis und maximal brüchigem Fels assoziiert. Das ist aber nur die halbe Wahrheit. Im rechten, westlichen Teil der Nordwand gibt es diverse Zonen, wo die Gesteinsqualität gut bis sehr gut ist. So ist es tatsächlich möglich, hier auf lohnende Art und Weise dem alpinen Sportklettern zu frönen. Dies allerdings nur an heissen Sommertagen, denn man befindet sich auf 3000m Seehöhe und die Sonne sieht man in der Regel erst am Ausstieg wieder. Trotzdem, oder gerade deswegen, wer die Routen drauf hat, sollte diese Erfahrung keinesfalls missen!

Der Eiger mit seiner Nordwand, geklettert wird im rechten, felsigen Teil, vor allem am markanten Felsdreieck in Bildmitte.

Eiger Nordwand - Magic Mushroom 7c+ (7a obl.) - 21 SL, 640m - Hainz/Schäli 2007 - ****; xxx
Material: 14 Express, 2x50m-Seile, Camalots 0.3-1
Links: Bericht, Topo

Charakteristische Route, welche vom Dynamitloch 3.6 der Jungfraubahn zur eigenartigen Felsformation des Pilz, einer beliebten Absprungrampe der Basejumper führt. Die noch etwas durchzogene erste Hälfte der Route ist in moderatem Gelände (6a-6b+). Sie bietet teilweise schöne Lochkletterei à la Wellhorn und Pfaffenhuet, es müssen aber auch einige Schuttbänder traversiert werden. In der zweiten Hälfte wartet dann konstant überhängende, athletische Kletterei. Der Fels dort ist superscharf, à la Rothorn im Färmeltal. Die Route ist gut mit Bohrhaken abgesichert, insbesondere auch die einfacheren Seillängen, welche bei der Erstbegehung teilweise schneebedeckt waren. Allerdings stecken in den leichteren/flacheren Passagen nur 8mm-Dübel. Stand: Juli 2010.

Eiger Nordwand - Chant du Cygne 7a (6b+ obl.) - 24 SL, 1000m - Anker/Piola 1992 - ****; xx-xxx
Material: 14 Express, 2x50m-Seile, Klemmkeile, Camalots 0.3-3
Links: Bericht, Topo

Auf dem Weg zur klassischen Heckmair-Route von 1938 erreicht man den Einstieg. Und obwohl die Route deutlich kürzer wie der alte Weg zum Gipfel ist, wartet ein langer Tag. Die ersten 17 Seillängen (bzw. 14 gemäss verlinktem Topo) bieten beinahe Plaisir-Kletterei in senkrechtem, kompaktem Fels mit vielen Löchern, ähnlich wie am Wellhorn oder Pfaffenhuet. Zwar müssen einige Schuttbänder traversiert werden, dies geht aber problemlos. In L18 folgt eine brüchige 6c+-Verschneidung, L19 ist wieder schön, bevor man in L20 im Bruch und an losen Blöcken direkt über dem Stand rumturnt. In L21, der Crux wartet erst steile Risskletterei, danach folgt bis zum Ausstieg steile Ausdauerkletterei an schönem Tropflochfels. Insgesamt gibt es, auch dank dem tollen Ambiente, doch noch vier Sterne. Die Absicherung in den schweren Seillängen ist gut, aber verpflichtend. Auch in den einfacheren Längen stecken regelmässig Bolts, in einigen Passagen gerade oberhalb von Bändern ist ein Sturz aber tabu. Stand: Juni 2003.

Eiger Nordwand - Deep Blue Sea 7b+ (7a obl.) - 9 SL, 320m - Ruhstaller/Rathmayr 2002 - *****; xx-xxx
Material: 12 Express, Camalots 0.3-1, evtl. 2. Zum Klettern reichen 2x50m-Seile, für Rückzug besser 2x60m.
Links: Blog, Bericht, Topo

Mit Sicherheit eine der besten und eindrücklichsten MSL-Touren im ganzen Alpenraum, besser geht es kaum mehr. Die Kletterei ist fast durchgehend überhängend und athletisch, der Fels vorzüglich und griffig mit Henkeln, Leisten, Tropfloch-Kratzern und teilweise grossen, sloprigen Löchern. Linie, Erlebniswert und Ausgesetztheit sind einmalig. Die Absicherung ist als eher fordernd zu bezeichnen: es stecken solide Bolts, welche die Schlüsselstellen gut absichern und für Wiederholer fair platziert sind. Den Grad 7a sollte man allerdings auch 3m über der letzten Sicherung draufhaben, sonst kann man sich auf viele Flugmeter einstellen. Dank der steilen, kaum gegliederten Wand würden aber auch weite Stürze bei entsprechend dynamischer Sicherung vermutlich glimpflich ausgehen. Stand: August 2012.

Eiger Nordwand - Freakonomics 7a+ (6b obl.) - 11 SL, 320m - Pfeifhofer/Rogger 2009 - ***; xxx(x)
Material: 10-12 Express, Camalots 0.3-1
Links: Blog, Topo

Tolle Tour mit grossartiger Ambiance! Unten steile Platten- und Wandkletterei, die beiden schweren Seillängen sind überhängend und athletisch. Im oberen Teil folgt die Route einer klassischen Verschneidungs-, Riss- und Kaminlinie. Meiner Meinung nach sind die Bewertungen in den schweren Seillängen sehr milde ausgefallen, 6c+ max. würde auch reichen. Die Route ist an allen schweren Kletterstellen gut bis sehr gut abgesichert, über weite Strecken ist die Kletterei jedoch deutlich einfacher. Dort sind die Abstände grösser, und es ist öfters auch Eigeninitiative mit Friends gefragt, was aber gut möglich ist. Der Fels ist grundsätzlich gut und meistens fest, einige kurze, etwas brüchige Stellen gibt es, welche aber problemlos zu meistern sind. Stand: August 2011.

Eiger Nordwand - Löcherspiel 6b (6b expo obl.) - 8 SL, 350m - Anker/Gruber 1988 - ***x(x)
Material: 10-12 Express, Klemmkeile 4-9, Camalots 0.3-3, evtl. zweiter Satz Camalots 0.3-3

Schöne, aber abenteuerliche Kletterei mit homogenen Schwierigkeiten. Die fixe Absicherung ist ungenügend (Niveau x) und erfordert auf jeden Fall Eigeninitiative, sowohl beim Klettern wie auch an den Ständen. Dies ist aber nicht immer gut möglich und längere Runouts über etwas unsicheren Friends sind einzukalkulieren. Wissenswert ist auch noch, dass die Bewertungen nicht gerade soft ausgefallen sind. Ausser auf den schuttbedeckten Bändern ist der Fels zumeist von guter bis sehr guter Qualität, mit kletterfreundlicher Struktur. Neben Löchern in allen Grössen (vom Einfingerloch bis zur Körpernische) gibt es auch viele griffige, positive Leisten, welche die 300m hohe Wand zum Genuss machen. Stand: August 2013.